Frank Brabant
Frank Brabant in der Ausstellung seiner Bilder im Museum Wiesbaden Bild © Museum Wiesbaden/Bernd Fickert

Viele Menschen schätzen Kunst und gehen gerne in Ausstellungen und Museen. Manche allerdings verfallen ihr regelrecht und machen sie zum Mittelpunkt ihres Lebens. Wir stellen vier Förderer und Mäzene aus Hessen vor.

Hanna Bekker vom Rath

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hk

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zum hr-fernsehen.de Video Hanna Bekker vom Rath: Künstlerin, Mäzenin, Freigeist

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Hanna Bekker vom Rath ist eine der zentralen Gestalten der deutschen Kunstszene des 20. Jahrhunderts. 1893 in eine der besten Frankfurter Familien hineingeboren, erlebte sie Kaiserzeit, Ersten Weltkrieg, Weimarer Repubik, Nationalsozialismus, Zweiten Weltkrieg, Wiederaufbau, Wirtschaftswunder - alles immer aus der Perspektive der Kunst.

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Hanna Bekker an der Staffelei,

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Marian Stein-Steinfeld: "Für meine Großmutter Hanna Bekker war jeder künstlerisch schaffende Mensch wichtig und zu unterstützen."

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Die ersten Schritte hin zur Malerei waren der Zeichenunterricht am Städel und ein Kunststudium in Stuttgart. Ihre Berufung fand Bekker - die nach ihrer Hochzeit den Namenszusatz "vom Rath" wegließ - jedoch als Künstlerfreundin, Sammlerin und Mäzenin.

Durch ein üppiges Erbe finanziell unabhängig, begann Hanna Bekker ihre Sammlung expressionistischer Kunst aufzubauen. Als diese ab den 1930er Jahren als "entartet" bezeichnet wurde, organisierte sie in ihrer Berliner Atelierwohnung heimliche Verkaufsausstellungen - die Erlöse trugen zum Überleben der Künstler bei.

Nach dem Krieg eröffnete Bekker in Frankfurt ihre Galerie – das Kunstkabinett. Als Botschafterin der Kunst organisierte sie weltweit Ausstellungen, um zu zeigen, dass die Deutschen nicht nur hässliche Nazis sind.

Sylvia von Metzler

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Sylvia von Metzler

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Das Städel ist mein zweites Wohnzimmer"

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Sylvia von Metzlers Weg zur Förderin von Kunst hatte einen ganz konkreten Anlass. Als der frühere Städel-Direktor Max Hollein ihr den Vorsitz des Städelschen Museumsvereins anbot, zögerte sie nicht lange und sagte zu.

Zitat
Es ist toll, wie die Kunst Brücken schlägt, nicht nur zwischen Menschen sondern auch über Jahrzehnte, Jahrtausende. Zitat von Sylvia von Metzler
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Der Verein wurde bereits 1899 von einer Gruppe Frankfurter Bürger gegründet, um das Städelmuseum im Sinne von Friedrich Johann Städel zu fördern. Der Städel-Gründer hatte festgelegt, dass die Sammlung weiter wachsen und - das war ihm ganz wichtig - stets auch aktuelle Kunst angekauft werden soll.

Auf der Suche nach neuen Bildern besucht Sylvia von Metzler die Künstler häufig auch zu Hause. Manchmal reist sie dafür um die halbe Welt. Für viele Menschen sind die Kunstwerke Antrieb, Kraftquelle und Inspiration. Und in besonderem Maße gilt das für Sylvia von Metzler. Ihr Ziel: noch mehr Menschen für die Kunst zu begeistern.

Frank Brabant

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Frank Brabant sitzt in seiner Wohnung inmitten der von ihm gesammelten Kunstwerke.

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zum hr-fernsehen.de Video Zwischen Diskofieber und Ölgemälden - Frank Brabant

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Als junger Mann hätte es sich Frank Brabant sicher nicht träumen lassen, einmal mit 600 Kunstwerken zusammenzuleben. Die Sammlung zählt zu den großen privaten Kunstsammlungen der klassischen Moderne in Deutschland. Frank Brabant, 1938 geboren, landete durch Zufall 1962 im Kunstkabinett, der Galerie von Hanna Bekker. Von ihr kaufte er einen Holzschnitt von Max Pechstein - ein ganzes Jahr hat er die Summe abbezahlt.

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Frank Brabant

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Ich hatte für einen VW gespart und hab' mir dann ein Kirchner-Aquarell gekauft."

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Das nötige Kapital für seine Sammlung erwirtschaftete er durch seine Diskothek. 1968 eröffnete Brabant die erste Schwulenbar im Rhein-Main-Gebiet. Homosexualität war zu diesem Zeitpunkt noch strafbar und der Sammler erhielt mehrere Morddrohungen. Als das ZDF 1975 nach Wiesbaden kam und damit Schauspieler, Showstars und Sänger in seine Bar, kam der Umsatz und ein besserer Ruf.

Frank Brabant lebt mit seinen Bildern, er bezeichnet sie als seine Kinder. In seiner Wiesbadener Wohnung hängen die Bilder dicht an dicht: an den Wänden, über dem Herd und in der Dusche. 2017 vermachte er dem Museum Wiesbaden einen großen Teil seiner Sammlung als Schenkung.

Reinhard Ernst

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Reinhard Ernst

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Ich habe großen Spaß daran, Kunst zu erwerben, die tausend andere dann auch sehen können."

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Kunst zu erwerben ist für Reinhard Ernst eine Lebensaufgabe und zugleich eine große Freude. Seine große Leidenschaft ist die abstrakte Malerei. Er schätzt bei abstrakter Kunst, dass man sich nichts darunter vorstellen können muss.

Ernst stammt aus einer einfachen Familie im Westerwald. Anfang der 1970er Jahre besuchte er auf einer Dienstreise nach Paris das erste Mal ein Museum. Bald darauf kaufte er sein erstes Bild. Er übernahm eine Firma, baute sie zu einem internationalen Unternehmen aus und verkaufte sie Jahre später. Damit war der Grundstock für das Stiftungsvermögen gesetzt.

Auf über 700 Werke ist die Sammlung inzwischen angewachsen. Um dieser Kunst eine Lobby zu verschaffen, geht der Unternehmer und Sammler ungewöhnliche Wege: Er finanziert mit seiner Stiftung den Bau und Betrieb eines Museums, das noch in diesem Jahr begonnen und 2022 in Wiesbaden eröffnet werden soll.

Sendungen: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 13.5.-16.5.2019, jeweils 7:45 Uhr

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