Bild von Anna Gaskell
Bild von Anne Gaskell Bild © Anna Gaskell and Light Manufacturing/Esto, Courtesy: Galerie Gisela Capitain, Köln

"Hide and Seek" – heißt die aktuelle Ausstellung, in der die New Yorker Künstlerin Anna Gaskell ihre rätselhaften wie verführerischen Fotografien und Videoarbeiten zeigt. Die kleine wie feine Ausstellung in der Kunsthalle Gießen bietet eine gute Möglichkeit, Anna Gaskell jetzt kennen zu lernen.

"Versteckspiel" in der Kunsthalle Gießen: Schon die Atmosphäre in der Ausstellung weckt Assoziationen von Candle-Light-Dinner und Gruselfilm gleichermaßen. Eher dunkel und schummrig, mit einzelnen warmen Lichtspots. Das entspricht der Atmosphäre der gezeigten, hochgradig inszenierten Fotografien von Anna Gaskell: auch sie arbeiten mit starken Licht-Kontrasten – und verstecken mehr, als sie zeigen.

Bilder/Stills von Anna Gaskell
Bilder/Stills von Anna Gaskell Bild © Anna Gaskell and Light Manufacturing/Esto. Courtesy Galerie Gisela Capitain

Eine ihrer frühen Arbeiten, die Fotoserie "Hide" scheint in einem alten Schloss oder Mädcheninternat bei Nacht aufgenommen zu sein. Die Fotografien sind hochgradig inszeniert und suggestiv. Sie wirken rätselhaft, unheimlich und märchenhaft. Junge Frauen und Mädchen in weißen Nachthemden und Strumpfhosen stehen, liegen und winden sich auf Teppichen und Sofas. Manche wirken wie verführerische Lolitas, manche wie Opfer einer Gewalttat. Was wir davon sehen, ist aber immer nur ein kleiner Bildausschnitt, eine Andeutung, eine Geste.

Das ist das Spannende an Gaskell Fotografien: ihre so genannten "elliptic narratives", also unvollständigen Erzählungen, wie sie auch Cindy Sherman kreiert, rufen mit einer treffenden Andeutung ein ganzes Repertoire an Geschichten und Bildern ab, das in den Köpfen der Betrachter steckt.

Weitere Informationen

Kunsthalle Gießen

Berliner Platz 1
Dienstag bis Sonntag 10-17 Uhr
Der Eintritt ist frei
Hier finden Sie Informationen zur Ausstellung und zum Begleitprogramm

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Bilder/Stills von Anna Gaskell
Bilder/Stills von Anna Gaskell Bild © Anna Gaskell and Light Manufacturing/Esto. Courtesy Galerie Gisela Capitain

Anna Gaskell spielt hier gekonnt mit unserer medialen Sozialisierung: Die Wahl des Ortes, der Kostüme, die Bildsprache – etwa die visuelle Fragmentierung der Mädchenkörper, die starken Hell-Dunkel-Kontraste – das alles erinnert an Alfred Hitchcock, an den Film Noir, aber auch den Surrealismus, an Caravaggio, Rembrandt, an Lolita und den Exorzisten.Insgesamt vier Arbeiten – Videos und Foto-Serien – von Anna Gaskell sind in der Kunsthalle Gießen zu sehen. Die Arbeiten sind in der Anmutung sehr unterschiedlich, auch in Thema und Inhalt. Aber immer geht es Gaskell um unsere Wahrnehmung – und zwar im wirklich weitesten Sinne, als Begreifen von "Wirklichkeit". Eine Frage, die in den Zeiten von so genannten "Fake News" und "alternativen Fakten" noch an Brisanz gewinnt.

Die New Yorker Künstlerin fliegt in Deutschland immer noch eher unter dem Radar, obwohl sie seit Mitte der 90er Jahre spannende Arbeiten produziert, international bekannt und in namhaften Museums-Sammlungen vertreten ist.

Fazit

Bilder/Stills von Anna Gaskell
Bilder/Stills von Anna Gaskell Bild © Anna Gaskell and Light Manufacturing/Esto. Courtesy Galerie Gisela Capitain

Die kleine wie feine Ausstellung in der Kunsthalle Gießen bietet eine gute Möglichkeit, Anna Gaskell jetzt kennen zu lernen. Man bekommt hier tatsächlich mit wenigen Arbeiten ein gutes Gefühl für Anna Gaskell spezifische Ästhetik und ihre besondere Bildsprache. Und die alleine macht die Ausstellung "Hide and Seek“ schon sehenswert.

Tanja Küchle

Sendung: hr2-kulturfrühstück, 30.1.2018, 7:30 Uhr

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