Der Kirschgarten am Stadttheater Marburg

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Tschechows "Kirschgarten" als dekadentes, witziges Tänzchen

Seit Jahrzehnten hat dieser heitere Abgesang auf eine Gesellschaft im Übergang, in der sich Vertrautes verflüssigt, Konjunktur. Am Hessischen Landestheater Marburg hat Regisseurin Shirin Khodadadian dieses Spiel am Rande des Abgrunds inszeniert.

In Tschechows Stück hat eine russische Adelsfamilie den Zeitpunkt verpasst, an dem sich der Wind gedreht hat: Die Leibeigenschaft wurde gerade abgeschafft, der gesellschaftliche, aber auch ökonomische Wandel ist im Prinzip unübersehbar. Der Wohlstand schwindet, es droht die Versteigerung ihres Gutes und des geliebten Kirschgartens.

Gutsherrin Ranjewskaja und ihren Bruder Leonid aber sind vollkommen handlungs- und entscheidungsunfähig: Sie hängen zu sehr in der alten Zeit fest, in alten Gewohnheiten und längst vergangenen Sicherheiten, um Ideen für eine Zukunft zu entwickeln, für die es noch keine Vorbilder gibt.

Glanz und Elend der russischen Bourgeoisie

Vom russischen Landleben mit Birkenwald und Kirschblüte ist in Marburg nichts zu sehen, vielmehr ist die Bühne ein leicht herabgewirtschafteter Ballsaal: Wie der Zuschauerraum auch wird sie von blauen Samtvorhängen eingefasst, eine Reihe von nackten Glühbirnen hängt herab, die Rückwand bilden Spiegel. Das zeugt vom Glanz der Vergangenheit, wie auch die tollen Kostüme. Der Raum hat etwas Klaustrophobisches - eine ausweglose Situation.

Weitere Informationen

Der Kirschgarten am Landestheater Marburg

Weitere Aufführungen:
14, 15., 24., 26. Mai;
4., 27. Juni 2019

Landestheater Marburg

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Regisseurin Shirin Khodadadian hat einen rasanten, komischen Abend geschaffen, ein wildes Tänzchen am Rande des Abgrunds, bei dem etwa in Kinderspielen der Ort der Familie und der Kindheit sichtbar gemacht wird, der dieser Gutshof auch war. Andere Tschechow-Inszenierungen kommen eher elegisch-melancholisch daher, hier sind die Figuren alle herrlich aufgekratzt, die Schauspielerinnen und Schauspieler legen eine Spielfreude bis zum Slapstick an den Tag - eine gedanklich sehr anregende und doch witzige, sinnliche Inszenierung!

Sendung: hr2-kultur. Kulturfrühstück, 7.5.2019, 7:30 Uhr

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