"Frank Auerbach und Lucian Freud. Gesichter"
Ausstellungsansicht "Frank Auerbach und Lucian Freud. Gesichter" Bild © Städel Museum

Nur noch bis 12. August zu sehen: Mit "Frank Auerbach und Lucian Freud - Gesichter" zeigt das Städel Museum wieder zwei Künstlerfreunde in einer Schau. Aber anders als bei Matisse und Bonnard geht es hier weniger um die Freundschaft, als viel mehr um die nackte Kunst selbst. Eine grandiose Ausstellung, die uns herausfordert.

Die "leise" und intime Ausstellung bietet den adäquaten Rahmen für diese sehr ausdrucksstarken Bilder. An zartgrauen Wänden hängen die 40 schwarz-weißen Papierarbeiten – Zeichnungen und vor allem Radierungen – darunter gleich mehrere herausragende Neuerwerbungen des Städel. Akte und Porträts von den Freunden der beiden, von den Ehefrauen und Kindern und von engen Vertrauten aus dem Umfeld von Freud und Auerbach: Gesichter, die mal unendlich traurig, mal skeptisch, mal verloren oder einfach sehr, sehr müde wirken, tiefschürfende Menschenbildnisse, die einem das Gefühl geben, man könnte den Porträtierten tatsächlich in die Seele blicken.

Starke Kontraste

Besonders spannend ist, dass Lucian Freud und Frank Auerbach das gleiche Ziel in ihren Radierungen und Zeichnungen verfolgen, mit den gleichen Mitteln und Motiven, aber das, was die beiden letztlich zu Papier gebracht haben, unterschiedlicher nicht sein könnte.
Verbunden hat die beiden die Suche nach der "wahren" Form für das "wahre" Gesicht des Gegenübers. Also: Charakterzüge, Körperlichkeit, Präsenz, Persönlichkeit. Es ging Ihnen gerade nicht um die äußerliche Abbildung oder Ähnlichkeit.

Lucien Freud

Lucian Freud: Head of Bruce Bernard
Lucian Freud: Head of Bruce Bernard, 1985 Bild © The Lucian Freud Archive / Bridgeman Images

Lucien Freud hat dichte Schraffuren gesetzt, Gesichter genau modelliert, plastisch, bis ins kleinste Detail, Kontraste und Asymmetrien betont, Brüche, schiefe Nasen und wulstige Stirnpartien. Das wirkt sehr menschlich, auch sehr dynamisch - aber eben auch gesetzt, standfest. Grandiose Aktdarstellungen und Porträts sind da entstanden – entblößt von jeder affektierten Pose.

Frank Auerbach

Frank Auerbach Selbstporträt
Frank Auerbach: Self-Portrait, 2017 Bild © Frank Auerbach, courtesy Marlborough Fine Art

Dagegen ist Frank Auerbachs Strich sehr viel spontaner, leichter, sieht teilweise auf den ersten Blick aus wie Gekritzel. Und erst nach und nach erkennt man, wie verblüffend gut, wie ungewöhnlich und treffend hier jeder Kringel und jede Linie gesetzt ist, erkennt hier eine Nase, dort Augen, einen Mund...
Und unter den wenigen, kräftigen, schwarzen Linien entdeckt man dann noch einmal – hell und teils ausradiert – das gleiche Gesicht, aber leicht versetzt, gedreht, wie eine tiefere Ebene der Person, fest gehalten in Bewegung. Das ist das Gegenteil von Freuds eher "geerdeten" Porträts, das sind Bildnisse, die beweglich bleiben, obwohl sie längst aufs Papier gedruckt sind. Immer an der Schwelle, ins Abstrakte zu kippen. Man muss hier auch selbst geistig beweglicher sein, um sich zu orientieren und das Bild fertig denken. Eine große, eine großartige Herausforderung!

Weitere Informationen

Die Freunde Lucien Freud und Frank Auerbach

Beide sind als Kinder jüdischer Familien in den 1930er Jahren aus Deutschland emigriert – und haben später die britische Staatsbürgerschaft angenommen. Neben diesem Schicksal verbindet die beiden zudem eine intensive Freundschaft, die rund 40 Jahre währte, bis zum Tod von Lucian Freud 2011. Sie haben sich gegenseitig porträtiert, beraten und gesammelt.

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Ein spannungsvolles Zusammenspiel der Gegensätze

Bildergalerie

Bildergalerie

zur Bildergalerie Besser als Facebook: die Porträts von Lucian Freud und Frank Auerbach

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In der direkten Gegenüberstellung sind die Bilder ein umwerfend starker Gegensatz. Aber sie spielen sich auch...ja: die Bälle zu. Und wie! Das ist zutiefst menschliche Kunst, die sich uns Stück für Stück entblättert, die ergründet werden will. Fantastisch! Die Museen in Deutschland haben lange nur sehr wenig Freud und Auerbach gesammelt bzw. gezeigt. Jetzt bietet sich im Städel Museum in Frankfurt eine wunderbare Gelegenheit!

Vorgestellt von Tanja Küchle

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 18.5.2018, 07:30 Uhr

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