Oper Frankfurt Rodelinda 2019

Die Oper Frankfurt zeigt jetzt Georg Friedrich Händels "Rodelinda, regina de' Longobardi". Eine tragische Familiengeschichte: Im Streit um den Thron tötet der eine Bruder den anderen, muss fliehen, lässt Frau und Kind zurück. Es geht in der Folge um Geiselnahme, Liebe, Treue, Verrat. Wie die Premiere in Frankfurt war, verrät hr2-Kritikerin Natascha Pflaumbaum.

Es gibt in dem Stück eine ganz außergewöhnliche Rolle: Flavio, der stumme Sohn der Königin, der entführt wird. Was ist denn die Funktion eines stummen Darstellers in einer Oper?

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found So war die Premiere von "Rodelinda"

Oper Frankfurt Rodelinda 2019
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Natascha Pflaumbaum: "In diesem Fall hat er eine sehr prekäre Rolle, weil er quasi benutzt wird. Er ist eine Schlüsselfigur. Der Mann der Königin der Longobarden, Rodelinda, gilt als tot, und der nächste Tyrann, Grimoaldo, steht schon vor ihrer Tür und möchte sie heiraten, weil er den Thron haben möchte. Und Rodelinda steckt in einem Dilemma. Sie möchte diesen Mann nicht haben, weil sie ja auch Mutter des rechtmäßigen Thronfolgers Flavio ist. Und darum sagt sie: wenn du mich heiraten möchtest, dann bring meinen Sohn um, denn ich halte das nicht aus. Und deshalb ist dieser Flavio so wichtig. Und diese Rolle hat Claus Guth, der Regisseur, darum auch ganz groß gemacht in dieser Frankfurter Inszenierung."

Das heißt, die gesamte Geschichte wird aus Flavios Perspektive erzählt?

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Natascha Pflaumbaum: "Erst einmal ist er ständig präsent. Man denkt es ist ein Kind, aber Claus Guth hat für diese Co-Produktion mit Barcelona und Madrid einen kleinwüchsigen Darsteller gefunden, und er hat diesen Darsteller eigentlich die ganze Zeit auf der Bühne sein lassen. Und er hat es tatsächlich geschafft, alles Geschehen in seiner Sicht zu spiegeln. Das hat er auch noch medial übertragen, denn Flavio verarbeitet alles, was er da erlebt, in Zeichnungen. Ständig ist er mit seinem Blcok zu Gange und man sieht diese Zeichnungen, wie große Kinderzeichnungen, auch projiziert auf die Bühne. Und der junge ist auch der einzige, der mit seiner kindlichen Intuition versteht, was da wirklich vor sich geht. Denn vordergründig sind alle ganz nett zueinander während im Untergrund das riesige Erpressungs- und Intrigen-Spektakel tobt."

Wie sind die Darsteller mit Händels Musik umgegangen?

Natascha Pflaumbaum: "Die Musik wird auf historischen Instrumenten gespielt, also mit gekappten Bögen, es gab Blockflöte, Traversflöte und natürlich wird es so gespielt, wie es die historisch informierte Aufführungspraxis derzeit sagt. Natürlich hat man Counter-Tenöre geholt: Andreas Scholl, der einen sehr, sehr guten Abend hatte. Und auch der Unulfo ist besetzt mit einem Counter-Tenor. Und man hat mit Lucy Crowe, die die Rodelinda spielt, eine Händel-Stimme geholt, also keine schmale, sondern eine in der Höhe sehr große Stimme, was wirklich beeindruckend war. Das Publikum lag den Sängern bereits nach dem ersten Akt zu Füßen. Und das Orchester hatte unter dem Dirigenten Andrea Marcon tatsächlich eine Rasanz, zum Teil bis zur Unspielbarkeit, auch die Koloraturen - also es war eine extrem sportliche wie artistische Angelegenheit."

Mehr zum Stück erfahren Sie direkt bei der Oper Frankfurt

Weitere Informationen

"Rodelinda, regina de' Longobardi"

ca. 3 1/2 Std. inkl. 1 Pause
Opernhaus, Frankfurt

Fr., 17. Mai - 19 Uhr
So., 19. Mai - 18 Uhr
Do., 23. Mai - 19 Uhr
Sa., 25. Mai - 18 Uhr
Do., 30 Mai - 18 Uhr
Sa., 1. Juni - 19 Uhr
Sa., 8. Juni - 19 Uhr

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Sendung: hr2-kultur Kulturfrühstück, 13.5.2019, 7:30 Uhr

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