Ottilie Röderstein - Selbstporträt
Ottilie Röderstein: Selbstbildnis mit verschränkten Armen, 1926 Bild © Städel Museum – ARTOTHEK

Ottilie Röderstein, Hanna Bekker und Lea Grundig, das sind nur drei Namen von vielen Künstlerinnen, die gegen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gegen große Widerstände und alle gesellschaftlichen Konventionen Künstlerinnen wurden. Sie haben die Moderne in Deutschland bis in die Zeit des Nationalsozialismus mitgeprägt. Heute sind sie praktisch vergessen. Wir haben uns auf Wiederentdeckungsreise begeben.

Ottilie Röderstein präsentiert sich auf Ihrem Selbstportrait, das heute im Städel Museum zu sehen ist, kämpferisch. Die Künstlerin, die in Frankreich ihren Durchbruch hatte, war in Frankfurt vor allem als Porträtistin anerkannt. In der Städelschule hatte sie über viele Jahre ein Atelier, in dem sie vor allem Mädchen und Frauen unterrichtete, unter anderem auch Hanna Bekker vom Rath.

Heute nur als Sammlerin bekannt

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Hanna Bekker - Berlin, Victoria-Luise-Platz

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Diese Künstlerinnen lohnt es wieder zu entdecken

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Hanna Bekker, die Künstlerfreundin und Galeristin aus bester Familie hat die Kunstszene Deutschland zur Zeit der Moderne wesentlich geprägt. Sie wirkte als Netzwerkerin und Sammlerin. Nach Kriegsende gründete sie in Frankfurt ihre Galerie "Kunstkabinett". Ihre erste Ausstellung zeigte Arbeiten von Käthe Kollwitz, deren Werk einst als "Rinnsteinkunst“ verunglimpft worden war. Was kaum in Erinnerung blieb, ist die Tatsache, dass auch Hanna Bekker Malerin war.

Eine der ersten weiblichen Studentinnen überhaupt

Lea Grundig beginnt mit 19 ihr Studium an der Dresdner Kunstakademie. Sie ist zu dieser Zeit, 1925 eine der ersten weiblichen Studentinnen überhaupt. Im selben Jahr wird sie Mitglied der KPD. Selbst nahezu mittellos, wird in der Zeit der Weltwirtschaftskrise die Darstellung der sozialen Not ihr wichtigstes Anliegen.

Ungleichheit

So wie viele andere Künstler waren auch die Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Galerien präsent und in Künstlerkreisen wie dem "Blauen Reiter" oder der Novembergruppe aktiv. Aber sie schafften es meist nicht in die großen Institutionen. Staatliche Museen oder Kunsthallen ignorierten sie, ihr Wirken blieb größtenteils auf Privatsammler beschränkt.
Röderstein verstarb bereits 1937, Hanna Bekker malte im Verborgenen und engagierte sich aktiv für ihre verfemten Künstlerfreunde. Lea Grundig arbeitete politisch und künstlerisch gegen die Faschisten an. Genau wie viele andere ihrer Generation sind aber auch diese drei heute als Künstlerinnen nahezu vergessen.

Wiederentdeckt

Im Augenblick ändert sich diese Situation gerade, auch in vielen hessischen Museen. Die Schirn Kunsthalle hat im letzten Jahr mit ihrer Schau über die Weimarer Republik eine ganze Reihe der wenig beachteten Künstlerinnen in den Fokus genommen – genau wie auch die Ausstellung "Geschlechterkampf", die 2016 im Städel Museum zu sehen gewesen ist. In Wiesbaden wird gerade eine kleine Schau zu Hanna Bekker gezeigt. Und das Städel eröffnet die Tage eine Retrospektive zu Lotte Laserstein. Es gibt also noch viel zu entdecken!

Vorgestellt von Stefanie Blumenbecker

Sendung: hr2-kultur, Kulturcafé, 17.09.2018, 16:45 Uhr

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