Blick in die Sammlung Brabant
Hochkarätige Kunst, dicht an dicht - bei Frank Brabant zu Hause Bild © Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Der Wiesbadener Sammler Frank Brabant ist eine schillernde Figur. In seiner Diskothek "Pussycat“, 1969 die erste schwule Disko im Rhein-Main-Gebiet, begrüßte er Udo Jürgens, Donna Summer und andere prominente Gäste. Seine Kunstsammlung hat er zu seinem 80. Geburtstag dem Museum Wiesbaden und dem Staatlichen Museum Schwerin gestiftet. Ein echter Schatz, findet hr2-Kunstkritikerin Tanja Küchle.

Die großen Namen der Klassischen Moderne

Frank Brabant
Stolz - Frank Brabant in der Wiesbadener Ausstellung Bild © Museum Wiesbaden/Bernd Fickert

120 Hauptwerke der insgesamt rund 600 Gemälde, Drucke und Zeichnungen umfassenden Sammlung, die zu den bedeutendsten Privatsammlungen von Werken des Expresssionismus und der Neuen Sachlichkeit in Deutschland zählt, sind jetzt in der Ausstellung "Von Beckmann bis Jawlensky. Die Sammlung Frank Brabant" im Museum Wiesbaden zu sehen.

"Rote Häuser mit Windmühle" von Max Pechstein (Öl auf Leinwand).
Endlich ein Pechstein! - Der einzige "Brücke"-Künstler, von dem in der Sammlung des Museum Wiesbaden noch ein Werk fehlte. Nun schließt die Lücke "Rote Häuser mit Windmühle" von Max Pechstein. Bild © Pechstein - Hamburg/Tökendorf

Die außergewöhnliche Bedeutung der Sammlung liegt dabei weniger in ihrem Schätzwert - laut  Frank Brabant 20 bis 40 Millionen Euro – sondern vielmehr in ihrer kunsthistorischen Besonderheit. Denn wir begegnen zwar auch vielen großen Namen, wie Otto Dix, Max Beckmann, August Macke, und Alexej von Jawlensky, der in Wiesbaden eine besondere Rolle spielt.

Viele wertvolle Entdeckungen

Audiobeitrag
"Frühlingsabend in Klotzsche" von Conrad Felixmüller (Öl auf Leinwand).

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Eine außergewöhnliche Sammlung, die intime Einblicke gibt." (Tanja Küchle)

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Vor allem aber sind hier echte Entdeckungen zu machen: Gerade das Potential der unbekannten Künstler, die eine hohe Qualität haben, ist in dieser Sammlung sehr groß. Denn Brabant hat sich auf die so genannte "Verschollene Generation" spezialisiert. So werden heute die expressionistischen, neusachlichen Künstler im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts bezeichnet, die entweder in Vergessenheit geraten oder nie bekannt geworden sind. Zu Unrecht, wie man in der Wiesbadener Ausstellung sehen kann.

Vielleicht sogar ein neues Gesicht für das Museum Wiesbaden

Ulrich Neujahr: Tatjana Magid-Riester
Ulrich Neujahr: Tatjana Magid-Riester, 1928 (Sammlung Frank Brabant, Wiesbaden) Bild © Cecilia Neujahr-Schoemann, Berlin

Ein gutes Beispiel, um das zu illustrieren, ist das Porträt-Gemälde einer Frau mittleren Alters vor einer pittoresken italienischer Küstenlandschaft. Ihre schwarzen kurzen Haare sind elegant gewellt, ihr Blick ist ernst und eindringlich. Dieses Gemälde hat eine enorme Ausdruckskraft und ist so herausragend, dass die Wiesbadener Kuratoren es als Hauptwerk der Sammlung Brabant bestimmt haben – obwohl der Künstler Ulrich Neujahr unbekannt, also nicht in den kunsthistorischen Kanon eingegangen ist. Kurator Roman Zieglgänsberger zieht es sogar als das neue Gesicht des Museums in Betracht, sieht es also gleichauf mit dem ausdrucksstarken Jungen-Porträt "Nikita" vom Weltstar der Klassischen Moderne, Alexej von Jawlensky.

Weitere Informationen

Von Beckmann bis Jawlensky: Die Sammlung Frank Brabant

13. April - 30. September 2018

Mehr über die Ausstellung und Stiftung Frank Brabants auf der Webseite des Museums Wiesbaden.

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Gemütlich und intim

Blick in die Sammlung Brabant
Fast wie zu Hause: die Petersburger Hängung von Frank Brabant findet sich stellenweise in der Ausstellung wieder. Bild © Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Frank Brabant hat offenbar als Autodidakt ein sehr gutes Gespür für Qualität, auch abseits großer Namen, entwickelt. Die zahlreichen Entdeckungen machen seine Sammlung nicht nur für das Museum Wiesbaden, sondern auch ganz grundlegend kunsthistorisch bedeutsam. Schön, dass man das in der Ausstellung nur mitbekommt, wenn man es nachliest. Für sich genommen ist die Schau eher "gemütlich" und intim gestaltet. Teilweise gestrichen im gleichen pastelligen Gelborange wie Frank Brabants Wohnung, ergänzt durch Fototapeten und etwas Mobiliar – was einen wunderbaren Eindruck vermittelt, wie Frank Brabant jeden Zentimeter seines Zuhauses dicht an dicht mit Bildern versehen hat.

Die Austellung: ein beeindruckender Beleg intensiver Sammel-Leidenschaft

Bildergalerie

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zur Bildergalerie Ein Schatz in Bildern

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Und sie führt anschaulich vor Augen, welche Bedeutung die Sammlung Brabant für das Museum Wiesbaden hat. Gerade im Bereich der "Neuen Sachlichkeit", wo Wiesbaden eher schwach bestückt war, ergänzen die neu hinzugekommenen Werke. Schwerin und Wiesbaden haben Brabants Sammlung klug und sinnvoll in enger gemeinsamer Absprache aufgeteilt. Mehr zur Ausstellung auf Hessenschau.de

Vorgestellt von Tanja Küchle

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 13.4.2018, 7:30 Uhr

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