Frauenwahlrecht

Am 19.1.1919 durften Frauen in Deutschland zum ersten Mal wählen gehen. Eine Ausstellung im Historischen Museum Frankfurt zeigt noch bis zum 20.1. eine große Sonderausstellung zum Thema "100 Jahre Frauenwahlrecht".

"Bis 1918/19 hatte sich bereits einiges getan", sagt Dorothee Linnemann, Kuratorin der Ausstellung "Damenwahl! 100 Jahre Frauenwahlrecht" im Historischen Museum Frankfurt. Das Ideal vor dem großen gesellschaftlichen Wandel um 1900 sei die verheiratete Frau gewesen, die mit ihrer Bildung dem Mann eine schöne Freizeit bescheren und die Kinder erziehen sollte. Doch das sei um die Jahrhundertwende bereits passé gewesen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kuratorin Dorothee Linnemann über die Ausstellung "Damenwahl! 100 Jahre Frauenwahlrecht"

Dorothee Linnemann
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"Die Frauen strebten nach eigener Erwerbsexistenz, brachen in sportive und andere gesellschaftliche Freizeit auf", so Linnemann. Frauen seien in der Zeit auch in die Städte gezogen und hätten zunehmend alleine gelebt. So seien auch ganz neue gesellschaftliche Erwartungen entstanden, erzählt die Historikerin.

Die Ausstellung "Damenwahl!" ist die erste große Sonderausstellung im Historischen Museum. Sie zeigt, welche Frauenbilder es gab und wie es zum Frauenwahlrecht zwischen 1918 und 1919 kam. Es gibt zum Beispiel Kleidungsstücke zu sehen, die das Frauenideal der jeweiligen Zeit verdeutlichen. Andere Exponate sollen den Besuchern die für die Zeit wichtigen Politikerinnen näher bringen.

Weitere Informationen

Austellung: Damenwahl! 100 Jahre Frauenwahlrecht

bis 20. Januar 2019

Historisches Museum Frankfurt, Saalhof 1, 60311 Frankfurt am Main
Mehr Informationen unter www.historisches-museum-frankfurt.de

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Frankfurt war ein wichtiges Zentrum

Die Frankfurter Frauenbewegung habe eine starke Stimmrechtsbewegung gehabt, erklärt die Kuratorin. "Das heißt, die Frankfurterinnen waren ganz vorne dabei, was den Kampf um das Frauenwahlrecht anging", so Linnemann. Es habe einige wichtige Protagonistinnen aus Frankfurt gegeben, wie zum Beispiel Bertha Pappenheim. "Zum Einen liegt das daran, dass es in Frankfurt eine große jüdische Gemeinde gab und ein sehr liberales Klima", erklärt die Kuratorin.

Die Frauen von damals seien sehr gut vernetzt gewesen, sowohl regional wie auch überregional. Und sie hätten das genutzt, was bürgerliche Gesellschaft zu der Zeit machte: Sie gründeten Vereine in rauen Mengen. "Das politische Wahlrecht ist den Frauen unglaublich wichtig gewesen, weil sie bis über den Ersten Weltkrieg hinaus sahen, dass alle anderen Forderungen schwer durchzusetzen sind, wenn man außerhalb des politischen Geschäftes steht", so Linnemann.

Viel Diplomatie und Zähigkeit

Doch die Vorgeschichte des Frauenwahlrechts liegt lange zurück. Die Kasseler Historikerin Kerstin Wolff verweist mit in ihrem aktuellen Buch auf eben diese Vorgeschichte, in der Frauen für dieses Recht kämpften, mit aufsehenerregenden Aktionen, aber auch mit viel Diplomatie und Zähigkeit.

Dass Frauen verlangt haben mitwählen zu dürfen, sei spätestens mit der 1848-Revolution der Fall gewesen, sagt die Kasseler Historikerin. "Hier war es Louise Otto, später Otto-Peters, die eine eigene Zeitschrift herausgebracht hat und in dieser hat sie gefordert: Sie möchte ganz gerne, dass das weibliche Geschlecht die Selbstständigkeit und Mündigkeit im Staat hat", sagt Kerstin Wolff im Gespräch mit hr2-kultur.

Das höre sich zwar weder revolutionär noch nach Wahlrecht an, doch es sei genau das gewesen, was hinter dem Wahlecht stehe, erklärt die Historikerin. "Und man kann sagen, dass es ab diesem Zeitpunkt nie wieder wirklich ruhig geworden ist", so Wolff.

hr2-Kulturcafé, 29.8.18, 17:10 Uhr und 12.11.18, 16:30 Uhr

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