Stadtlabor Wohnen - Neues Frankfurt

Wohnungen, in denen man gut leben und die man sich leisten kann - die wollten die Architekten des "Neuen Frankfurt" bauen. Wie wohnt es sich heute darin? Das zeigt eine aktuelle Ausstellung im Historischen Museum Frankfurt.

"Lieber eine kleine Wohnung als keine Wohnung"

Das soll Ernst May, 1925-1930 Siedlungsdezernent von Frankfurt, gesagt haben, um der Wohnungsnot damals zu begegnen. Unter seiner Regie sind rund 15.000 neue Wohnungen entstanden, unter anderem in Stadtteilen wie Bornheim, Gallus, Niederrad, Oberrad und anderen. Die Wohungen sollten erschwinglich und ästhetisch ansprechend sein.

Vier Wohnungstypen

Die Ausstellung im Historischen Museum hat vier der damaligen Wohnungstypen rekonstruiert. Die Besucher können durch die Räume gehen und ein gutes Gefühl für das Wohnen der damaligen Zeit bekommen. Fotografien, Mietverträge und Muster der Tapeten in Vitrinen machen das sehr anschaulich. Die Wohnungen haben eine Größe von 38 bis 115 Quadratmetern und sind heute ebenso für Studenten wie für Familien geeignet. Die Frankfurter Küche, die alles in Reichweite aufbewahrte, auf nur 7,3 Quadratmetern, darf natürlich auch nicht fehlen. Aber am bemerkenswertesten erscheint das Denken, gemeinschaftlich zu wohnen und zu leben. Für so manchen Single-Haushalt heute wäre das vielleicht auch ein Gewinn.

Wohnungsbau damals und heute

Ein Wohnzimmer nach Westen, um nachmittags und abends nach der Arbeit noch die Sonne genießen zu können, während ein Schlafzimmer nach Osten gehen sollte – so wurde damals über die Gestaltung von Wohnungen nachgedacht. Nicht, wie man die Wohnung als Anlageobjekt am besten nutzt, um den maximalen Profit damit zu erwirtschaften.

In Zeiten der Wohnungsnot ein anregendes Beispiel?

Die Siedlungen des "Neuen Frankfurt" wurden in den 1920er Jahren zu weltbekannten Bauprojekten. Das Stadtlabor des Historischen Museums Frankfurt zeigt auf, wie gut es sich heute noch in Römerstadt, Zick-Zack-Hausen und den anderen Ernst-May-Vierteln leben lässt. Die Ausstellung bietet viele Ideen, wie man das Wohnen möglichst angenehm machen kann. Und damit auch zahlreiche Gegenargumente gegen Wohnraum als Spekulationsobjekt. Die Statdverordneten im Römer sollten mal einen Blick in die Ausstellung werfen, sie könnten womöglich einiges daraus lernen.

Mehr zur Ausstellung auf der Seite des Historischen Museums

Wie wohnen die Leute?
Mit dem Stadtlabor durch die Ernst-May-Siedlungen
16. Mai – 13. Oktober 2019


Historisches Museum Frankfurt
Saalhof 1

Sendung: hr2-kultur Kulturfrühstück, 16.5.2019, 7:30 Uhr

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