Krol Roger - König Roger - Oper Frankfurt

Die Oper "Król Roger" - König Roger" - von Karol Szymanowski hatte gestern Abend Premiere – obwohl sie schon fast 90 Jahre alt ist. Für hr2-Kritiker Martin Grunenberg eine lohnende Entdeckung! Vor allem wegen der wuchtig-starken, farbigen und sehr eigenwilligen Musik. Der Komponist Karol Szymanowski und seine Musik erfahren in letzter Zeit mehr und mehr Beachtung. Vielleicht war der Stil von Szymanowski, der von 1882 bis 1937 gelebt hat, für seine Zeit und die nachfolgenden Generationen etwas zu exotisch und zu vermischt - inzwischen wird er als eine eigene, interessante Stimme wahrgenommen.

Die Story

1926 ist "Król Roger" in Warschau uraufgeführt worden, und Karol Szymanowski hat nicht nur die Musik komponiert, sondern auch am Text mitgearbeitet. Szymanowski war von der Vermischung der Kulturen und Religionen auf Sizilien fasziniert und hat einen sizilianischen König aus dem 12. Jahrhundert zur Hauptperson seiner Oper gemacht. Dieser König und die byzantinische Kirche werden von einem Hirten herausgefordert, der eine neue Religion, den Gott der Liebe propagiert und damit viele Anhänger in der Bevölkerung findet. Die Kirche fordert nun vom König, dass er den Hirten stoppt, sogar tötet. Die Königin und der Berater des Königs, ein arabischer Gelehrter, treten dafür ein, dass der König und der Hirte sich in einer Art Verhandlung austauschen. Tatsächlich ist der König dem Charisma des Hirten nicht gewachsen und so zieht der weiter und schart viele Anhänger um sich, darunter die Königin Roxana. Letztlich wird auch der König zum Pilger und folgt dem Hirten, es kommt zu einem ausschweifenden Ritus, in dem der Hirte als Dionysos auftaucht. Der König durchläuft eine Wandlung und möchte zuletzt sein Herz der Sonne opfern.

Was erzählt der denn da?

Das dürften Besucher der gestrigen Aufführung in Frankfurt jetzt denken. Denn von dieser symbolistischen Geschichte und dem ganzen Zauber war nicht viel zu sehen. Regisseur Johannes Erath und Bühnenbildner Johannes Leiacker haben stattdessen ein sehr abstraktes Bühnenbild mit einem weißen, leicht ansteigenden Boden, auf die Bühne der Oper Frankfurt gebracht. Eine weiße Wand wird immer wieder zur Projektionsfläche. Ein Bild erscheint besonders beeindruckend: Es zeigt das Gesicht von König Roger, das mit einer von oben aufgenommenen Meeresbrandung überblendet ist, und so ergibt sich der Eindruck, als würde dieses Gesicht zerfließen, sich auflösen. Tatsächlich geht es Johannes Erath darum, diese Oper psychologisch zu deuten, also die Geschichte als persönliche Krise und innere Wandlung des Königs zu erzählen. D.h. sie spielt heute, der König ist ein Mann im Anzug, man sieht eine Trauergemeinde in schwarzen Kleidern und Anzügen mit dunklen Sonnenbrillen. Dazu kommt als Gegenfigur der Hirte, blond und in lockerem weißen Anzug – ein Aussteiger, Sektenführer oder leger gekleidetes Klinikpersonal.

Musikalische Kraft

Der Dirigent Sylvain Cambreling ist für die Produktion an die Oper Frankfurt zurückgekehrt, und es ist beeindruckend mit welcher Kraft diese schillernden Klangfarben vom Orchester, aber auch vom Chor und Kinderchor der Oper Frankfurt gezaubert werden. Außerdem singt wieder ein hervorragend besetztes Ensemble: Lukasz Golinski ist zur Zeit wohl der führende Interpret des Königs Roger. Alle weiteren Rollen waren aus dem Ensemble besetzt: Sydney Mancasola hat eine betörend schöne Roxana gesungen und der Tenor Gerard Schneider bringt Glanz und Durchsetzungskraft für die Partie des Hirten mit. Es lohnt sich auf jeden Fall diese Oper von Karol Szymanowski kennenzulernen, man sollte vielleicht nicht ganz unvorbereitet hingehen, wenn man der Geschichte folgen möchte.

Video und Aufführungstermine von "Król Roger" bei der Oper Frankfurt

Sendung: hr2-kultur Kulturfrühstück, 3.6.2019, 7:30 Uhr

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