Das Cover von Adolf Muschg – Heimkehr nach Fukushima
Das Cover von Adolf Muschg – Heimkehr nach Fukushima Bild © C.H.Beck

Der Schweizer Schriftsteller Adolf Muschg gilt als großer Japankenner, seine Frau ist Japanerin, sein Sohn in Tokio geboren. 2011 hat er nach der Reaktorkatastrophe die Region um Fukushima besucht und seine realen Erfahrungen in seinen neuen Roman einfließen lassen.

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Das Cover von Adolf Muschg – Heimkehr nach Fukushima

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Bianca Schwarz über „Heimkehr nach Fukushima“

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"Heimkehr nach Fukushima“ heißt er und da darf man bei Adolf Muschg auch ein sprachlich exquisites Leseerlebnis erwarten. Muschg war lange Professor für deutsche Sprache und Literatur in Zürich, später Präsident der Akademie der Künste in Berlin. Sein umfangreiches Werk wurde unter anderem mit dem Hesse- und dem Büchner-Preis ausgezeichnet.

Die wunderbare Natur um Fukushima

Paul Neuhaus, ein deutscher Architekt um die 60, bekommt eines Tages von alten Freunden aus Japan eine Einladung nach Fukushima. Eine Einladung im Namen des Bürgermeisters eines Dörfchens inmitten der Sperrzone. Das „schönste Dorf Japans“ soll es einmal gewesen sein, aber nach dem Reaktorunglück wurde es evakuiert und die ehemaligen Einwohner sind skeptisch bezüglich einer Rückkehr in die Heimat; sie trauen weder den Messwerten, noch der Regierung oder dem Energieversorger. Doch der Bürgermeister hat einen tollkühnen Plan: Er will dort eine Künstlerkolonie schaffen nach dem Vorbild von Worpswede oder Monte Verità. Und Paul soll dabei helfen. Dieser hält eine Künstlerkolonie auf verseuchtem Boden für eine Schnapsidee, trotzdem willigt er in den Besuch ein und lässt sich von dem charismatischen Mann dazu überreden, die Region um Fukushima mit dem Auto zu bereisen und sich ein eigenes Bild zu machen. Die Beschreibungen aus Fukushima sind hinreißend und beklemmend gleichermaßen. Adolf Muschg arbeitet immer wieder Gegensätze heraus, beschreibt die Schönheit und den tiefen Frieden der Landschaft, die blühenden Kirschbäume, die noch frische Verwilderung einerseits. Andererseits schlägt der mitgeführte Geigerzähler immer wieder aus. Die Wege sind gesäumt mit Plastiksäcken voller verseuchter Erde, die die Regierung hat abtragen lassen, aber niemand weiß, wohin damit.

Weitere Informationen

Adolf Muschg – Heimkehr nach Fukushima

C.H. Beck
244 Seiten
20 Euro

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Fazit

"Heimkehr nach Fukushima“ ist ein lyrisches, dichtes Buch mit enormem Sprachvermögen. Keine leichte Lektüre, sondern ein Buch, in das man sich hineinarbeiten muss. Die Stifter-Passagen sind wichtig für das Tiefenverständnis des Romans, die Zusammenhänge werden aber nicht auf dem Silbertablett präsentiert. Trotzdem: Sehr elegant und eloquent, spannende Charaktere, schlüssige Geschichte.

Vorgestellt von Bianca Schwarz

Sendung: hr2-kultur, hr2-Kulturfrühstück, 26.07.2018, 08:30 Uhr

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