Allan Jenkins: Wurzeln schlagen
Back to the roots: Allan Jenkins sucht und findet seine Vergangenheit Bild © Rowohlt

Allan Jenkins macht seit Jahrzehnten mit seiner wöchentlichen Garten-Kolumne auf sich aufmerksam, man sagt, dass viele den "Guardian" nur wegen seiner Ratschläge abonniert hätten.Im Original heißt es "Parzelle 29", der deutsche Verlag hat es "Wurzeln schlagen" genannt. Weil es kein Gartenbuch im strengen Sinn ist, sondern die schonungslose Autobiografie dieses Mannes.

Wer sich gefreut hatte, Allan Jenkins kennenzulernen, mehr über seine Methoden, wie er Brühen zum Düngen und Stärken ansetzt, welche Samen er wo kauft und wie und wann pflanzt, zu erfahren - wen also die pure Neugier gepackt hat, mal all seine Tipps zwischen zwei Buchdeckeln zu haben, kann sich auf anstrengende Lesetage gefasst machen, denn Jenkins schreibt weniger vom Gärtnern als von seinem Leben, das alles andere als schön und blühend war.

Allan Jenkins ist direkt nach seiner Geburt zur Adoption frei gegeben worden, 1954, dann in ein Kinderheim gekommen, in verschiedene Pflegefamilien und landete bei einem schon älteren Ehepaar, das nicht besonders herzlich war. Das alles zusammen mit seinem Bruder Christopher. Die beiden verband eine Symbiose, sie waren sehr unterschiedlich, bis sie als Jugendliche aus dieser Pflegefamilie rausflogen. Allan ging aufs Internat, schlug über die Stränge, studierte, wurde Hippie und Landkommunarde; Christopher ging zur Armee und endete als Busfahrer und soff sich tot. Das beschäftigt Allan bis heute sehr. Er schildert das sehr nüchtern, man wird in diese grauen, trostlosen Zeiten zurückversetzt, man leidet mit.

Zitat
„Wenn der Hochsommer anfängt, gibt es immer noch sehr viel zu tun auf der Parzelle. Aber vergiss nicht Dir Zeit zu nehmen und dazusitzen und die Früchte Deiner Arbeit zu genießen.“ Zitat von Allan Jenkins in seiner aktuellen "Guardian"-Kolumne
Zitat Ende

Man liest Ergreifendes und Trauriges, dazu ist das Buch spannend, schließlich forscht er ja an seiner leiblichen Familie, er schreibt phantastisch, formuliert jeden Gedanken meisterlich aus. Und man möchte nicht glauben, dass dieser vernachlässigte und ständig kranke Jungen mit den winzigen Händen, der erst mit Mitte 20 zum ersten mal selbst geliebt wurde, ein Mann mit einem so großen Herz wurde, dass er alle, die schlimm zu ihm waren oder gleichgültig, so liebevoll schildert und für jeden Verständnis für dessen Handeln aufbringt, Hut ab!

Weitere Informationen

Allan Jenkins: Wurzeln schlagen

Ein Jahr im Garten auf der Suche nach mir selbst
Übersetzt aus dem Englischen von Christel Dormagen
Rowohlt Verlag
300 Seiten
20 Euro

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Fazit

Man kann diese Lebensgeschichte nur ertragen, weil ab und zu ein Mangoldblatt in der Morgensonne leuchtet und die Molche von der Gartengemeinschaft gerettet werden. Weil Allan Jenkins mit solcher Hingabe das kleine und das große bei den Pflanzen sieht, obwohl ihn viele Menschen so schlecht haben Wurzeln schlagen lassen. Er holt das heute nach, hat recherchiert, neue Leute kennengelernt, die seine Verwandten sind. Das ist ein selbsttherapeutisches Buch für ihn und seine Leser - als Gartenbuch taugt dieser Allan Jenkins nichts, gottseidank: Es geht um viel Wichtigeres.

Vorgestellt von Alf Haubitz

Hier lesen Sie die Kolumne von Allan Jenkins im britischen "Guardian"

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstrück, 3.7.2018, 8:30 Uhr

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