Das Cover von Andreas Maier - Die Universität
Das Cover von Andreas Maier - Die Universität Bild © Suhrkamp

An einem Romanzyklus mit insgesamt elf Bänden schreibt Andreas Maier. Nach "Das Zimmer", "Das Haus", "Die Straße", "Der Ort" und "Der Kreis" ist er jetzt bei "Die Universität" angekommen.

Die Universität ist der sechste Teil des Großprojektes "Ortsumgehung“ und ein weiteres eigenständiges Element in dem Individuationsprozess des Ich-Erzählers. Auch hier erweist sich Andreas Maier als einer der wichtigsten hessischen Erzähler.

Das Frankfurter Studentenleben der späten Achtziger

Andreas Maier schreibt nicht rein autobiographisch, aber in vielen Punkten spiegelt sich doch seine eigene Geschichte. Maiers Held hat nun die Wetterau verlassen, um in Frankfurt zu studieren. Doch die akademischen Inhalte stehen hier nicht im Mittelpunkt, sondern eher das studentische Verhalten, die Anbiederung an Dozenten, die Imitation ihres Habitus und jede Menge Bier bei Dr. Flotte an der Bockenheimer Warte. Höhepunkt des Romans aber ist der Nebenjob des Protagonisten als Hilfspfleger. In dieser Funktion lernt er eine gewisse Gretel Adorno kennen, die tatsächlich die Witwe des großen Denkers ist. Die demente Frau beißt, kratzt und flucht und hat schon seit Jahren das Haus nicht mehr verlassen. Aus Rache nehmen die studentischen Pfleger Adornos Belegexemplare mit. Mit spitzem Humor kommentiert Maier das Schwinden des Geistes bei Frau Adorno und das Verschwinden der Gedanken ihres Mannes in Buchform.

Weitere Informationen

Andreas Maier: Die Universität

Suhrkamp Verlag
147 Seiten
20 Euro

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Fazit

Anstatt sein Großwerk als einen voluminösen Band herauszugeben, hat sich Maier für die Folge von 11 kleinen Büchern entschieden. Weil man so schnell durch ist, wendet sich der Blick nach innen, sucht nach Details und kleinen Momenten der "Ich-Bildung“. Hatten die ersten 5 Romane das sich ständig erweiternde Umfeld beschrieben, vom Zimmer über das Haus, die Straße, den Ort und den Kreis ist es hier der Prozess geistiger Entwicklung zwischen postpubertärem Spiel und erwachsener Reflexion. Ein Buch für alle, die Gedankenspiele lieben und beim Lesen keine Eile haben.

Vorgestellt von Ulrich Sonnenschein

Sendung: hr2-kultur, hr2-Kulturfrühstück, 12.02.2018, 08:30 Uhr

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