Buchcover Andrew Sean Greer Mister Weniger
Der Pulitzer-Preisträger 2018 Bild © S. Fischer

Erfolglos ist Andrew Sean Greer nicht - im Gegenteil. Mit dem Erfolg seines zweiten Romans "Die erstaunliche Geschichte des Max Tivoli" hatte er nicht gerechnet. Umso begeisterter war er, bot ihm das doch die Gelegenheit, alle ungeliebten Brotjobs aufzugeben und sich nur noch dem Schreiben zuzuwenden. Damit ging ein langgehegter Wunsch in Erfüllung. Für seinen jüngsten Roman "Mister Weniger" wurde ihm jetzt der Pulitzer-Preis verliehen, eine der renommiertesten Auszeichnungen in den USA.

Lächerliche, wenig erfolgreiche Schriftsteller gibt es in der Literaturgeschichte mehr als genug. Insofern ist Greers Held, der Autor Arthur Weniger in bester Gesellschaft. Ihn unterscheidet allerdings von vielen seiner Vorgänger, dass man herzhaft über ihn lachen kann, nicht zuletzt, weil er sich selbst und seine Missgeschicke so ernst nimmt. Er tut einem regelrecht leid, wie er da von einer peinlichen Situation in die nächste schliddert. Und das alles nur, weil er einer unerträglichen Situation entkommen will. Arthur ist schwul und hat gerade erfahren, dass sein langjähriger Freund und Partner beschlossen hat, einen anderen zu heiraten.

Kein Entkommen, nirgends

Arthur ist zur Hochzeit seines Ex eingeladen. Welche Schmach. Daraufhin beschließt Mister Weniger, alle Einladungen zu Veranstaltungen, die er bekommen hat, so obskur sie auch sein mögen, anzunehmen. Hauptsache, sie finden weit weg statt. So reist Arthur um die halbe Welt, findet sich in Italien wieder, um von einer Schülerjury einen Literaturpreis verliehen zu bekommen, kostet sich in Japan für ein Flugzeugmagazin durch klassische japanische Gerichte, lässt sich zu Diskussionsrunden über einen berühmten Dichter einladen, nur weil er lange Jahre mit ihm liiert war und betreut in Berlin einen Gruppe von Doktoranden der Literaturwissenschaft.

Groteske Zuspitzung der Realität

Es ist nicht zuletzt die Mischung aus Fiktion und Realität, die Arthur Wenigers Abenteuer so amüsant machen, denn vieles, was Andrew Sean Greer selbst erlebt hat, findet sich in dem Roman wieder, nur verfremdet und bisweilen grotesk zugespitzt.
Immer wieder schafft es Greer, uns zum Lachen, zumindest aber zum Schmunzeln zu bringen. Arthur hat etwas kindlich Naives, so wie er die Welt wahrnimmt. Er ist sich seiner Schwächen bewusst und genau darum weiß er sich oft nicht richtig gegen die Zumutungen seiner Umwelt zu wehren, lässt wie ein unvermeidbares Schicksal alles über sich ergehen. So ist Arthur zwar überzeugt, gutes Deutsch zu sprechen, macht aber geradezu groteske Fehler und versteht nicht, warum die Leute über ihn lachen. Und immer wieder hadert er mit seinem Alter, denn er wird gerade 50, und damit kommt er gar nicht klar.

Weitere Informationen

Andrew Sean Greer: Mister Weniger

Übers.: Tobias Schnettler
S. Fischer Verlag Frankfurt a.M.
331 Seiten
22 Euro

Ende der weiteren Informationen

Fazit

Das Ende des Romans ist überraschend. Es lässt ihn plötzlich in einem ganz anderen Licht erscheinen und verblüfft uns Leser. Eine gelungene Überraschung, die hier nicht verraten werden soll. Wer gerne lacht, kommt bei Arthur Weniger ganz bestimmt auf seine Kosten. Eine prächtige Humoreske über schwule Beziehungen, die sich lustig macht über Liebesleid, Eifersucht, flüchtigen Sex. Kurzum: ein überraschend unterhaltsames Lesevergnügen.

Vorgestellt von Johannes Kaiser

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 11.5.2018, 8:30 Uhr

Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit