Buchcover Geiger Drachenwand
Arno Geiger schafft es, dass man die beständige Bedrohung spürt Bild © Hanser

Seit Arno Geiger mit "Es geht uns gut" den ersten Deutschen Buchpreis gewann, steht er im Zentrum der literarischen Öffentlichkeit. Sein persönlicher Bericht "Der alte König in seinem Exil" fand große Resonanz bei Kritik und Publikum. Jetzt versucht er die Gefühlslage des Jahres 1944 anhand authentischer Berichte zu rekonstruieren.

Arno Geiger schlüpft für diesen Roman in die Rolle des jungen Wieners Veit Kolbe. Durch Granatsplitter verletzt, verbringt er eine Genesungszeit entfernt von der Truppe am Mondsee im Salzkammergut. Dort schreibt er über sich, den Krieg und vor allem über seine Nachbarin, ein junge Frau mit Kind aus Darmstadt, in die er sich verliebt hat. Dazwischen schaltet Geiger Briefe aus Wien, Darmstadt und Ungarn, von verfolgten Juden und ausgebombten Großstädtern. So entsteht mosaikartig ein Bild des Jahres 1944, in dem der Krieg zwar noch nicht zu Ende, für die meisten aber bereits verloren ist.

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Arno Geiger: Unter der Drachenwand

Hanser
480 Seiten
26 Euro

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Fazit

In "Unter der Drachenwand" gelingt es Arno Geiger, das globale Ereignis Weltkrieg lokal zu verorten ohne ihm seine Größe zu nehmen. Er schafft es den Bogen zu spannen, zwischen einer kleinen Liebesgeschichte und der Zerstörung Europas, der Verfolgung und Vernichtung von Millionen. Ohne auch nur eine einzige Gräueltat zu schildern - die Schrecken der Schützengräben läßt er völlig außen vor - schafft es Arno Geiger, dass man die beständige Bedrohung spürt. Jenseits der Front, dort wo nicht wirklich etwas passiert, ist der Krieg eben doch präsent. Nicht als unmittelbare Bedrohung sondern als Lebensrealität. Ein Buch für jeden, der meint, dass man Geschichte nicht vergessen darf.

Vorgestellt von Ulrich Sonnenschein

Sendung: hr2-kultur, Kultfrühstück, 16.1.2018, 8:30

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