Naomi Alderman - Die Gabe
Ausgezeichnete Science-Fiction, geerdet in den realen gesellschaftlichen Verhältnissen Bild © Heyne

Barack Obama setzte "Die Gabe“ auf die Liste seiner Lieblingsbücher. Warum? hr2-Literaturkritikerin Ruth Fühner kann das gut nachvollziehen.

Die Schriftstellerin Naomi Alderman mag bei uns noch eher unbekannt sein – in ihrer Heimat England hatte sie schon einen guten Namen, bevor ihr Roman "Die Gabe“ mit dem renommierten "Baileys Women’s Prize for Fiction“ ausgezeichnet wurde – als erster Science-Fiction-Roman überhaupt. Entstanden ist er sozusagen unter den Fittichen von Margaret Atwood, denn die Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels fungierte zu dieser Zeit als Mentorin von Alderman.

Elektrisierende neue Welt

"Die Gabe“ ist eine Fähigkeit, die ausschließlich Mädchen, später Frauen zuteil wird: Mit ihren Händen können sie elektrische Impulse aussenden, vom zärtlichen Kribbeln bis zum tödlichen Stromstoß. Eine Gabe, die Frauen auf einmal auf Augenhöhe bringt mit den sonst körperlich überlegenen Männern – und eine massive Bedrohung fürs Patriarchat. Eine bessere Welt allerdings entsteht so nicht – wohl aber neue Despotien und eine neue Religion. Die Rache der Unterdrückten bricht sich gewaltsam Bahn, die politischen Strukturen aber bleiben unverändert.

Weitere Informationen

Naomi Aldermann: Die Gabe

Aus dem Englischen von Sabine Thiele.
Heyne
464 Seiten
16,99 Euro

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Fazit

Ein unbedingt empfehlenswerter Roman. Alderman hat ihr Personal genial und überraschend ausgewählt. Sie verfügt über eine sanft-hinterlistige Ironie, aber auch über einen klaren Blick für die real existierende Gewalt gegen Frauen. "Die Gabe“ ist ein dunkles Spiegelbild unserer Gesellschaft – und zugleich ein Appell, zu ihrer Verbesserung nicht an der falschen Stelle anzusetzen.

Vorgestellt von Ruth Fühner

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 17.7.2018, 08:30 Uhr

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