Bodo Kirchhoff
Mit 70 schaut Bodo Kirchhoff zurück: Präzise, selbstreflektierend, lesenswert Bild © Imago

Über dieses neue Buch von Bodo Kirchhoff wurde bereits vorab viel berichtet. Ein Thema ist ein Missbrauch als Kind und Jugendlicher in einem Internat, über das der Autor bereits 2010 in einem Essay geschrieben hatte. Doch der neue Roman ist weit mehr.

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zum Artikel Bodo Kirchhoff: Dämmer und Aufruhr. Roman der frühen Jahre

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Was Kirchhoff hier nicht liefert, ist eine moralische Anklage oder Verurteilung - es handelt sich um einen durchaus komplexen Roman, der in den entscheidenden Motiven autobiografisch ist, doch so ausgeschmückt und mit Details versehen, dass der Titel "Roman" berechtigt ist.

Überforderungen der Nachkriegszeit

"Dämmer und Aufruhr" ist gelungen, weil er die Geschichte eines Kindesmissbrauchs aus der Familiengeschichte und der großen Geschichte heraus erzählt. Vater und Mutter tragen die Wunden des Krieges mit sich herum - reale körperliche und emotionale Prothesen. Als sie merken, dass sie nicht zueinander passen, ist es bereits zu spät, gibt es zwei Kinder. Der Sohn wird ins Internat abgeschoben - wo er auf der Suche nach Liebe und Zuwendung den Verführungen eines Kantors erliegt.

Im zweiten Teil des Buches geht es nach Frankfurt, in die heißen 60er Jahre und die Zeit der Studentenbewegung. Als ein erstes Manuskript vom Suhrkamp-Verlag angenommen wird, ist aus dem Internatsjungen ein richtiger Autor geworden.

Weitere Informationen

Bodo Kirchhoff: Dämmer und Aufruhr

Frankfurter Verlagsanstalt
480 Seiten
28 Euro

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Fazit

Kirchhoff hat einen Entwicklungsroman geschrieben, der überzeugt, weil er die jungen Jahre der Republik beschreibt, Familien, die vom Krieg gezeichnet im Leben keine Chance hatten, die zwischen den Träumen von Riviera und Lago Maggiore und dem realen Geldmangel und der Unmöglichkeit des unbeschwerten Familienglücks hin und hergerissen sind. Selten wurden die fünfziger Jahre so konkret, so genau beschrieben - ein lesenswerter, gelungener Roman.

Vorgestellt von Mario Scalla

Sendung: hr2-kultur Kulturfrühstück, 6.7.2018, 8:30 Uhr

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