Eva Meijer - Die Sprachen der Tiere
Es summt und kiekst und schüttelt das Federkleid Bild © Matthes & Seitz

Sprechen Tiere? Wenn ja, wie? Und sind Mensch und Tier befähigt, sich miteinander zu verständigen, zu kommunizieren, jeweils andere Einsichten und Wissen zu vermitteln. Um diese alte Dauerbrenne-Frage geht es in dem Sachbuch "Die Sprachen der Tiere“, geschrieben von der niederländischen Philosophin Eva Meijer.

Dieses Buch hat mir die Augen geöffnet - dafür, dass Tiere über ein hohes Maß an sprachlicher und kommunikativer Kompetenz verfügen, wie man es sich im Allgemeinen vielleicht  nicht vorstellt. Und dass es möglich ist, sich in die spezifischen Sprachsysteme von Tieren einlinken zu können, weil da ein Mitteilungsbedürfnis auch uns gegenüber vorhanden ist. Und was mir nach der Lektüre auf jeden Fall eingeleuchtet hat, dass Tiere sich auch sehr intensiv über uns austauschen. Allein die Vorstellung davon, dass schon die Vögel um uns herum sich Mitteilungen über unser Verhalten machen, hat jede Menge Charme und auch Hintergrund.

Ein weites Spektrum von Tieren und wissenschaftlicher Forschung

Wir hören von einer bestimmten Garnelen-Art, die mit wechselnder Farbgebung ihres Körpers kommuniziert, den Liedern der Fledermäuse, von der Alarm- und Warnkommunikation der Präriehunde, von dem Informationsaustausch über niederfrequente Laute der Elefanten, von der Geruchs- und Duftsprache der Hunde und Katzen bis zu den feinen Kommunikationssystemen der Vögel und Bienen. Also der Begriff der "Sprache" wird hier weiter gefasst, es geht um ausdifferenzierte Kommunikationssysteme, bei denen die lautliche Äußerung nur eine mögliche ist. Die Autorin stößt hier bewusst eine Tür auf, hinter der man sich plötzlich fragt, ob wir Menschen nicht arg überheblich sind, nur das gelten zu lassen, was wir unter Sprache verstehen.

Weitere Informationen

Eva Meijer: Die Sprachen der Tiere

Übersetzung: Christian Welzbacher
Herausgegeben von Judith Schalansky
Matthes & Seitz
176 Seiten
28 Euro

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Fazit

Eva Meijer schreibt über Forschung, aber nicht mit naturwissenschaftlichen Fachtermini. Es ist alles sehr anschaulich und in einem warmen Erzählton geschrieben. Allerdings merkt man, dass sie ihre Kenntnisse alle von außen, also aus existierenden naturwissenschaftlichen Forschungsarbeiten zusammengetragen hat. Da verfällt sie oft in einen Aufzählungsmodus, der mehr Struktur und Ordnung gut vertragen hätte. Auf jeden Fall aber wirkt ihr eigenes Spezialgebiet, die Philosophie mit ein. Es gibt immer wieder sprachphilosophische Reflexionen: was ist Sprache? Und vor allem am Schluss des Buches ein Sinnieren darüber, was das alles für unseren künftigen  Umgang mit Tieren zu bedeuten hat. Und da stellt sie sich entschieden auf die Seite jener Bewegung, die Tierrechte fordern. Argumente dafür liefert ihr Buch zuhauf.

Vorgestellt von Martin Maria Schwarz

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 15.6.2018, 08:30 Uhr

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