Ein Cocktail mit Rum
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Wie betrinkt man sich richtig? Also nicht bis ins Delirium, sondern eher so...gepflegt. Geht das überhaupt? "Die Schule der Trunkenheit" ist für alle, die jetzt mehr wissen wollen, die geeignete Lektüre.

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Ehmer - Hindemann - Schule der Trunkenheit

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Was Politik mit Alkohol zu tun hat - und umgekehrt

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Es gibt natürlich einen himmelweiten Unterschied zwischen einem hemmungslosem Besäufnis und dem kultivierten Trinken – und das will dieses Buch lehren. Im ersten Semester lernt man da alles über den Weinbrand – auch über Willy Brandt, der sich den Spitznamen Weinbrand-Willy eroberte, weil er auch mit Hilfe von Cognac als Bürgermeister von Berlin eine vorsichtige Annäherung zu den Erzfeinden in Ost-Berlin unternommen hatte, was dann mittel- und langfristig doch zur Entspannung beigetragen hat.

Grundlegende Erkenntnisse

Zum Beispiel gibt es bei Herodot den Hinweis darauf, dass die alten Perser bei wichtigen Entscheidungen grundsätzlich doppelt vorgegangen sind: Sie haben eine Angelegenheit erst einmal im Rausch besprochen, um sie dann am nächsten Tag noch einmal ganz nüchtern zu betrachten – und die Entscheidung, die im Rausch gefallen ist, neu zu überdenken. Und umgekehrt. Das sei eine Kulturtechnik, meinen die beiden Autorinnen, die leider heute in Vergessenheit geraten ist.

Wir erfahren aber  auch, wie die Prohibition das Trinkverhalten der Amerikaner und der Iren verändert hat, warum die Kultur des Martini-Trinkens ein ständiges Auf und Ab erlebt oder wie sich der Tequila aus Mexiko dank verschiedener Hollywood Stars durchsetzte, können lesen, dass Richard Burton  bei den Dreharbeiten zu "Die Nacht des Leguan“ nach heftigem Tequila Konsum nackt am Strand Shakespeare zitierte – eine Freude für vorbeifahrende Segler. Viel Information – und das alles sind eben nicht nur lustige Anekdoten, sondern es eine durchaus ernstgemeinte und ernst zu nehmende Analyse vom Zusammenhang des Trinkens mit Politik und Wirtschaft.

Weitere Informationen

Kerstin Ehmer, Beate Hindermann: Die Schule der Trunkenheit

Verbrecher Verlag
250 Seiten
24 Euro

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Fazit

Das Buch vermittelt überzeugend die Erkenntnis "Betrunken sein kann jeder. Aber trunken – sind nur Kenner“. Wobei auch immer wieder klar gesagt wird, dass es viele Menschen gibt, die der Alkohol zugrunde richtet. So endet diese schöne Buch mit vielen klugen Sätzen wie:

Zitat
„Trinkkultur kann nur durch die Kulturübung des Trinkens am Leben erhalten und ausgebaut werden. Wer am Ende torkelt hat etwas falsch gemacht, wer nicht einmal ein bißchen wankt, allerdings auch. Und wer die Bar verlässt auf der Welle einer von guten Drinks befeuerten Euphorie, der ist ganz nah bei den Göttern. Der hat herausgefunden, um was es geht.“ Zitat von Kerstin Ehmer, Beate Hindermann: Die Schule der Trunkenheit
Zitat Ende

Vorgestellt von Ursula May

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 15.7.2018, 09:30 Uhr

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