Buchcover: "Die Ermordung des Commendatore Band 1 Eine Idee erscheint" von  Haruki Murakami
Bild © Dumont

Bei dem japanischen Autor Haruki Murakami ist es immer ein Ereignis, wenn ein neuer Roman erscheint – man wartet auf den „neuen Murakami“. Seit heute liegt er vor: der erste Band von zweien.

Die deutsche Ausgabe ist sehr schön gestaltet mit Blauschnitt und einem Einband aus durchscheinendem Plastik, auf dem Cover selbst ist eine japanische Landschaft, Berg und Wolken. Durch die Transparenz des Umschlags entstehen schöne Effekte. Ein Buch, das man gerne in die Hand nimmt – und dann gar nicht gerne wieder weglegt. Es gibt hier den typischen Murakami Helden, der von seiner Frau verlassen wird und eine existentielle Krise durchmacht. Ein Roman über das Schaffen und das Wesen von Kunstwerken, über dunkle Mächte, über unerklärliches wie eine Selbstmumifizierung - es gibt viel Sex und allerlei Rätsel.

Der Ich-Erzähler bleibt namenlos. Er hat auf der Kunstakademie studiert, mit abstrakten Bildern angefangen und viel Geld mit Porträts von Geschäftsleuten verdient, die gerne ihr Konterfei in den Büroetagen aufhängen. Er selbst sieht das als reinen Broterwerb, aber er scheint trotzdem ein großes Talent zu haben, das Wesen einer anderen Person zu erkennen und dann im Bild festzuhalten. Nachdem ihn seine Frau verlassen hat, will er diese Art der Malerei nicht mehr machen. Er fährt monatelang durch Japan, um sich dann im abgelegenen Sommerhaus eines berühmten Malers nieder zu lassen.

Ein etwas seltsamer Mann, der wie er in den abgelegenen Bergen lebt, bietet ihm allerdings sehr viel Geld bietet dafür, dass er ihn doch porträtiert. Wie sich zeigt ein Problem, denn der Mann ist nur sehr schwer zu verstehen und zu begreifen. Eigentlich ein Mann ohne Gesicht - das stellt den Maler vor ein großes Problem. Auf der anderen Seite führt es aber auch dazu, dass der Ich-Erzähler einen neuen Stil entwickelt, sich also künstlerisch weiter entwickelt. Diese Auseinandersetzung mit dem Wesen des Porträt-Malens ist außerordentlich spannend zu lesen – wieviel vom Wesen des Gegenüber versteht der Maler, wieviel gibt der Porträtierte von sich preis. Es wirkt manchmal wie eine zeitgenössische Antwort auf Oscars Wildes Roman Das Bildnis des Dorian Gray.

Weitere Informationen

Haruki Murakami: Die Ermordung des Commendatore - Band 1 Eine Idee erscheint

Übersetzerin: Ursula Gräfe
Dumont Buchverlag
480 Seiten
26,- Euro

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Fazit

In dem Roman gibt es ein Nebeneinander von sehr klugen Überlegungen, was die Malerei angeht – und auch viel Grusel mit der Geschichte eines übernatürlichen Wesens, die etwas kolportagehaft daher kommt. Da ist die Verbindung zwischen den Ebenen nicht immer geglückt, nicht immer auf dem gleichen Niveau. Aber es liest sich dennoch außerordentlich spannend.

Vorgestellt von Ursula May

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 22.01.2018, 08:45 Uhr

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