Buchcover - Haruki Murakami - Die Ermordung des Commendatore 2
Eine Metapher wandelt sich. Bild © Dumont Verlag

Bei dem japanischen Autor Haruki Murakami ist es immer ein Ereignis, wenn ein neuer Roman erscheint. Der jüngste ist gleich in zwei Teilen erschienen: "Die Ermordung des Commendatore", gerade ist der zweite Band erschienen. hr2-Literaturkritikerin Ursula May hat beide Bücher gelesen und verrät, ob sich die Lektüre lohnt.

Im zweiten Band erschließt sich einiges, was schon im ersten Teil angelegt wurde. Murakami bespielt hier ganz klassisch das Muster der Heldenreise. Da ist immer noch der namenlose Held, ein Porträtmaler, der von seiner Frau verlassen wird und eine existentielle Krise durchmacht.

Von der klassischen Heldenreise zur Gruselgeschichte

Im zweiten Teil muss er wie Orpheus in die Unterwelt, um ein kleines Mädchen zu retten. Er überquert zum Beispiel einen Fluss, der nur von einem bestimmten Fährmann an einer bestimmten Stelle übersetzen kann, um dann in eine andere Welt einzutauchen. Sein eigener Seelenzustand und die Beherrschung seiner Emotionen spielt eine Rolle, ob er die Bewährungsprobe schaffen kann. Teil eins war ein Roman über das Schaffen und das Wesen von Kunstwerken, über dunkle Mächte und unerklärliche Phänomene - Teil zwei setzt das fort, verliert sich aber in einer Gespenster-Gruselgeschichte, die nicht wirklich motiviert ist.

Weitere Informationen

Haruki Murakami: Die Ermordung des Commendatore Band 2

Eine Metapher wandelt sich.
Übersetzt von Ursula Gräfe
DuMont
496 Seiten
26 Euro

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Gelungenes Äußeres

Die deutschen Ausgaben sind sehr schön geworden: beide Bände mit Blauschnitt und einem Einband aus durchscheinendem Plastik. Durch diese Transparenz des Umschlags entstehen schöne Effekte. Es sind auch vom äußeren her zwei Bücher, die man gerne in die Hand nimmt.

Durchwachsenes Fazit

Leider ist Teil zwei lange nicht so überzeugend wie der erste Teil, der für mich den Charme hatte, dass Murakami über das Wesen von Kunst und das Malen von Porträts nachdachte und das Ganze in eine spannende Geschichte mit verschiedenen Ebenen verpackt hat. Das ist im zweiten Teil in den Hintergrund getreten, und das Grusel-Horror-Szenario wirkt ziemlich konstruiert und nicht mehr plausibel. Das war schon eine Schwäche im ersten Band und ist hier noch stärker ausgeprägt. Der Leser weiss manchmal einfach nicht, warum er zu diesen Gruselabenteuern mitgenommen wird, es fügt sich nicht zu einem Ganzen.
Ich habe das Buch trotzdem gerne gelesen, und das liegt an Murakamis Fähigkeit, seine Figuren so interessant zu gestalten, dass man einfach dran bleibt. Die Murakami-Übersetzerin Ursula Gräfe schafft es auch hier wieder, einen eigenen Sound für die Texte von Haruki Murakami zu schaffen.

Vorgestellt von Ursula May

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 17.4.2018, 08:30 Uhr

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