Heinrich Mann - Der Untertan

100 Jahre ist es her, dass Heinrich Manns Roman „Der Untertan“ in Buchform erschien und ein Bestseller wurde. Das war kurz nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, im Dezember 1918. „Der Untertan“ ist bis heute eines der bekanntesten Bücher der deutschsprachigen Literatur. Zurecht?

Mit Diederich Heßling seiner Zeit voraus?

Diederich Heßling wurde 1918 zum Inbegriff des deutschen Mannes am Vorabend des Nationalsozialismus: „Hier ist er ganz“, schrieb Kurt Tucholsky, „in seiner Sucht zu befehlen und zu gehorchen, in seiner Roheit und in seiner Religiosität, in seiner Erfolgsanbeterei und in seiner namenlosen Zivilfeigheit.“ Dabei entstand Heinrich Manns Roman „Der Untertan“ schon vor dem Ersten Weltkrieg. Aber gerade deswegen, weil Mann hier bereits den Aufstieg der Nationalsozialisten vorweg zu nehmen schien, blieb die Geschichte des feigen und intriganten Aufsteigers Heßling wohl ein Werk der Weltliteratur, trotz seiner Einschläge in Richtung Rühr- und Lehrstück und trotz Heinrich Manns Freude am Klamauk und Klischee.

Fazit

„Der Untertan“ ist vielleicht keine große und keine feinsinnige Literatur. Aber nach wie vor unterhalten die stark typisierten Figuren und die schlagkräftigen Dialoge und satirischen Überzeichnungen gesellschaftlicher Konstellationen, die Heinrich Mann in diesem Roman gelungen sind. Als historisches Dokument zeugt dieser Roman zudem von den politischen Auseinandersetzungen der Zeit und auch dem Streit zwischen den Brüdern Heinrich und Thomas Mann, der 1915 eskalierte und sich in „Der Untertan“ bereits ankündigt.

hr2-Kulturfrühstück, 30.11.2018, 8:30 Uhr

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