Barbara Beuys Königin Sophie Charlotte
Barbara Beuys Buch über die erste preußische Königin Bild © Suhrkamp

Sophie Charlotte, die erste Königin Preußens, ist heute vor allem bekannt dafür, dass sie Berlin zum "Spree-Athen“ machte: dem zuvor eher spröden Berliner Hof zum ersten Mal europäischen Glanz verlieh, in dem sie prächtige Feste organisierte, Theater, Musik, internationale Gelehrte und Philosophen an den Hof holte. Erstaunlich, dass erst jetzt die erste umfassende Biographie erschienen ist über diese schillernde Persönlichkeit. Die ist so anspruchvsoll wie lesenswert.

Sophie Charlotte war nicht nur klug und geistreich, sie sprach mehrere Sprachen, war auch selbst Musikerin, spielte hervorragend  Cembalo und begleitete die Theateraufführungen am Hof oft selbst. Die Historikerin Barbara Beuys hat sich für ihre starke Persönlichkeit  interessiert. Sophie Charlotte galt als sehr schöne Frau. Das Porträt, das sie auf dem Buchcover darstellt, zeigt eine nachdenkliche, aber selbstbewußte Persönlichkeit mit klarem Blick.

Schön und klug

Beides war im Zeitalter der Monarchin noch kein Gegensatz, sagt Barbara Beuys. Für die Historikerin ist Sophie Charlotte eine Frau, die ihre Position nutzte, um das beste aus den Möglichkeiten zu machen. Nicht immer wurde Sophie Charlotte von den Geschichtsschreibern so gesehen.

Umstritten

Sie ist auch die Mutter von Friedrich Wilhelm, den man später den Soldatenkönig genannt hat. Ihn einen schwierigen Menschen zu nennen, wäre leicht untertrieben: er hatte vor allem Interesse am Militär, verprügelte und drangsalierte seine Soldaten. Es gibt Historiker, die die Mutter Sophie Charlotte dafür verantwortlich machen: dass sie das Kind zu den Großeltern gegeben hatte, bis er sechs Jahre alt war, dass sie gefühlsarm gewesen sei, keine gute Mutter also – Barbara Beuys hält das für Küchenpsychologie, hat eine andere Sicht, die sie in der Biographie über Sophie Charlotte gut begründet.

Weitere Informationen

Barbara Beuys: "Sophie Charlotte. Preußens erste Königin“

Insel Verlag
398 Seiten
24 Euro

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Fazit

Barbara Beuys legt grossen Wert darauf, ihre Quellen sprechen zu lassen und so dem Leser auch die Wertung zu überlassen. Das macht die Lektüre anspruchsvoll, aber gleichwohl sehr spannend.

Vorgestellt von Ursula May

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 11.7.2018, 08:30 Uhr

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