Buchcover Jane Gardam
Wenn in den Alltag Gefühle einbrechen Bild © Hanser

Sie ist 89 Jahre alt, hat mindestens 32 Romane, Erzählbände und auch Kinderbücher geschrieben, viele wichtige Preise gewonnen und wird in Großbritannien sehr verehrt. Seit ihrer Trilogie "Ein untadeliger Mann" ist Jane Gardam auch bei uns ein Begriff. Jetzt erscheint ein Band mit Erzählungen.

Jane Gardam eine ganz außergewöhnliche Erzählerin. Ihre Kurzgeschichten zeichnen sich durch einen vordergründig leichten Ton aus, aber sie ist die Expertin für die Risse in der Fassade. Sehr oft stehen bei ihr Paare im Fokus – sie führen nach außen hin und auch oft vor sich selbst eine gute Ehe, leben meistens in Großbritannien, haben aber auch eine Verbindung nach Asien, nach Hongkong vor allem – da wo auch Jane Gardams  Romantrilogie ihren Ausgang genommen hat.  Zwischen den Zeilen erfährt man, dass da eben auch einiges im Argen liegt, dass etwa die Eltern ihre Tochter zwar so erziehen und ausbilden, wie es in der britischen Oberschicht üblich ist – sie dabei aber zugrunde richten.

Störfeuer, unterdrückte Gefühle

In einer Geschichte taucht der frühere Liebste im Sommerurlaub auf - und löst eine alte Leidenschaft aus. Die junge Frau, die gut geheiratet hat, wirft es ziemlich aus der Bahn, als besagter Ex-Geliebter auftaucht, während der Ehemann später kommen wird. Das sind bei Jane Gardam Dinge, die passieren, die sie aber nicht moralisch bewertet. Sie beschreibt eher, wie in diesem nach außen hin wohlgeordneten Leben sich Abgründe auftun, Leidenschaften, die im Alltag keinen Platz haben. Dabei kommt es nicht unbedingt zur Katastrophe, aber es passiert etwas, das das Lebensgefühl  der Protagonisten doch sehr beeinflusst.

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Weitere Informationen

Jane Gardam: Die Leute von Privilege Hill

Erzählungen
aus dem Englischen von Isabel Bogdan
Hanser Verlag
22 Euro

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Fazit

Diese Erzählungen haben wirklich eine sehr eigenen Sog, sie sind auf eine Art kunstvoller als die Romane. Die Situationen und Bilder, die Jane Gardam aufruft, bleiben sehr im Kopf. Aber ihre Romane, vor allem der erste Teil der Trilogie "Ein untadeliger Mann" habe ich auch sehr gerne gelesen, da ist ein eigener Kosmos, in den man dann eintaucht. Ich glaube, es ist eine Frage der Zeit, die man zum Lesen hat: Die Erzählungen kann man in einer Stunde lesen, in den Roman will man eintauchen. Das muss jeder Leser selbst entscheiden. Ich finde beides sehr empfehlenswert. Und die Erzählungen und die Romane ergänzen sich auch.

Vorgestellt von Ursula May

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 30.11.2017 8:30 Uhr

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