Podcast John Wray: Gotteskind (Roman)

John Wray: Gotteskind

Das Thema ist hochaktuell: Der Autor John Wray versucht zu erkunden, wie eine junge Amerikanerin dazu kommt, sich den Gotteskriegern kurz vor und nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center in New York anzuschließen. Es ist ein Blick in die Gedankenwelt der Mudschaheddin.

Ohne jeden Zweifel

Wray lässt uns die Geschichte der jungen Frau aus deren Perspektive miterleben. Er führt uns damit in die Gedankenwelt einer Konvertitin, einer Muslima ein, ohne deren Radikalisierung zu kommentieren. Er beschreibt detailreich deren Ausbildung sowohl die religiöse wie die militärische. Sie nimmt alles so hin, wie es ist, ohne ihre Handlungen auch nur einmal in Frage zu stellen. Zwischengeschaltet hat Wray mehrfach einen Brief, den Aden an ihren Lehrer schreibt, und damit ist ihr Vater gemeint, den sie allerdings nie abschickt. Hier wird klar, dass ihr Weggang auch als Protest gegen den übermächtigen Vater zu verstehen ist, dem sie Gefühllosigkeit, Doppelmord, ein gottloses Leben vorwirft.

Fazit

Ein verstörender Roman über islamischen Fundamentalismus, eine spannungsgeladene Reise in das Herz des vermeintlich Guten, das sich anmaßt, im Namen Gottes zu foltern und zu töten. Eines macht Wray deutlich: der Koran bietet keine Rechtfertigung für islamistischen Terror. Er lässt seine Protagonistin genügend Suren zitieren, die das belegen und unterstreichen, d.h. auch, er selbst muss sich intensiv mit dem Koran auseinandergesetzt haben. Ein Roman, der noch lange nachklingt.

John Wray
Gotteskind
aus dem Amerikanischen von Bernhard Robben
Rowohlt
23,00 Euro

hr2-Kulturfrühstück, 24.01.2019, 8:30 Uhr

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