Jonathan Eig: Ali. Ein Leben
Jonathan Eig: Ali. Ein Leben Bild © DVA

Vor ziemlich genau zwei Jahren ist Boxlegende Muhammad Ali gestorben, kurz nach seinem Tod erschien eine Biografie, die vieles anders macht. Weit über fünfzig verschiedene Biographien findet man auf dem Markt über Muhammad Ali, aber diese hier sticht heraus durch ihre kompromisslose Sichtweise und ihre detailversessene Recherche.

Der Journalist Jonathan Eig gilt als einer der besten Biographen unserer Zeit. Die NY Times hat sein Buch als Biographie des Jahres ausgezeichnet, es hat Eig außerdem den Sports Book Award beschert als bestes Sportbuch des Jahres und ist auch aus vielen anderen Gründen ein echtes Schwergewicht.

Muhammad Ali war mehr als nur ein großer Boxer, er gilt als eine der kontroverstesten Figuren der jüngsten Geschichte. Jonathan Eig betrachtet ihn und sein Leben durchaus mit viel Bewunderung, aber schonungslos. Natürlich geht es um Kindheit und Jugend, um die ersten großen Boxerfolge von Ali, um seine beispiellose Karriere und um legendäre Kämpfe wie "Rumble In The Jungle" 1974. Aber Jonathan Eig arbeitet auch sehr fein heraus, wie Alis Leben verwoben ist mit großen politischen und kulturellen Konflikten seiner Zeit. Also wie er sich zum Beispiel weigerte, in den Vietnamkrieg zu ziehen mit der Begründung, er persönlich habe schließlich weder ein Problem mit den Vietkongs noch mit Japanern oder Chinesen, er habe eher ein Problem mit dem weißen Amerika. Gleichzeitig thematisiert er aber auch die Widersprüchlichkeit, mit der Ali dennoch andere Schwarze im Privaten demütigte, drangsalierte.

Arroganz, Selbstdarstellung, sein Abstieg auf Raten im Boxzirkus werden besprochen. Aber auch, inwiefern der Islam mit seinem Regelwerk dazu geführt hat, dass der wilde und provokante Ali einen Sinn für Ordnung und Gehorsam entwickelte. Wie er mit seiner Parkinsonerkrankung umgegangen ist und wie er altersweise wurde.

Zitat
„Ich musste der Welt beweisen, dass man ein neuartiger Schwarzer sein konnte.“ Zitat von Muhammad Ali
Zitat Ende

In einem seiner letzten Interviews ist Ali gefragt worden, was seine Lebensleistung sei und er antwortete: "Ich musste der Welt beweisen, dass man ein neuartiger Schwarzer sein konnte“.

Weitere Informationen

Jonathan Eig: Ali. Ein Leben

Aus dem amerikanischen Englisch von Werner Roller
DVA-Deutsche Verlagsanstalt
704 Seiten
32 Euro

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Fazit

Jonathan Eig schreibt spannend, streckenweise erzählt er wie in einem Roman. Er arbeitet mit vielen kurzen Kapiteln, das macht es sehr abwechslungsreich. Und er hat sehr sorgfältig gearbeitet: Vier Jahre lang führte er über 500 Interviews für dieses Buch. Auf vielen Ebenen eine sehr lesenswerte Biographie, auch oder vielleicht gerade, wenn man kein Boxfan ist.

Vorgestellt von Bianca Schwarz

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 28.06.2018, 08:30 Uhr

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