Liv Strömquist: "Der Ursprung der Liebe"
Liv Strömquist: "Der Ursprung der Liebe" Bild © avant-verlag

Liebe und Hass sind die treibenden Gefühle auf dem Erdball, kaum eine Kunst, die ohne sie auskommt. Frisch Verliebte können nicht voneinander lassen. Aber wenn's vorbei ist, kann der einstmals so innig Geliebte einem oft nicht weit genug weg sein. Die schwedische Comiczeichnerin und Feministin Liv Strömquist ist dem "Ursprung der Liebe" jetzt auf den Grund gegangen. In einem Comic. Kann das gut gehen? Und wie!

Heute erklären wir die Liebe gerne naturwissenschaftlich: mit Oxytocin, Dopamin, Serotonin. Einen ganzen Hormoncocktail schüttet der Körper laut Forschung beim Verliebtsein aus. Liv Strömquist will gerade weg von dieser doch recht deterministischen Sichtweise und zeigt überzeugend auf, dass vieles, was wir in der Liebe tun, alles andere als natürlich ist. Dafür konsultiert sie unsere Kulturgeschichte, nordische Göttinnen und Goethes Werther, soziologische Theorien zu Geschlechterverhältnissen und die Psychoanalyse. Das alles verbindet sie und lässt es lebendig werden - in alltäglichen Situationen des Durchschnittspärchens, genauso wie in den großen Liebestragödien der Popkultur, z.B. von Lady Di und Prinz Charles, oder Whitney Houston und Bobby Brown.

Für Romantiker wird es hart!

Für Romantiker wird es hart! Denn Strömquist entlarvt unser Konzept  von „Liebe“ ziemlich überzeugend als Überbau von neoliberalen Markt-Prinzipien einerseits und andererseits als private Mini-Religion – häufig geprägt von Machtinteressen, Manipulation und Egoismus.

Wie es geschrieben und gezeichnet ist:

Liv Strömquist nimmt das Thema ernst – behält sich dabei aber eine Leichtigkeit und Selbstreflexivität, die Spaß und Lust macht, ihr bei ihren Gedankengängen zu folgen. Sie dreht und wendet alles, was wir im Allgemeinen als normal in Bezug auf die Liebe empfinden, – und überzeichnet es bis ins Absurde.

rasante, schwarz-weiße Bildergeschichte

Ihr Buch steckt voller Theorie-Highlights, die Liv Strömquist in viele rasante, schwarz-weiße Bildergeschichten mit Fun-Comic-Ästhetik umgesetzt hat. – teils witzig und bissig, teils berührend gefühlvoll in poetische Bilder gefasst.

Unmissverständlich macht sie klar: in Sachen Liebe und Beziehungen ist eine ganze Reihe von unbewussten Annahmen, von Missverständnissen und sogar psychologischen Störungen im Spiel – gut beobachtet, scharfsinnig und überzeugend. Wenn Sie z. B. der Frage nachgeht, warum Frauen sich so häufig von Männern angezogen fühlen, die sie emotional am langen Arm verhungern lassen. Oder, warum ausgerechnet der Übergang zur Liebesheirat mit einer prüderen Einstellung zum Sex einhergegangen ist.

Weitere Informationen

Liv Strömquist: Der Ursprung der Liebe

Avant Verlag
20 Euro

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Fazit: Die Liebe ist tot, es lebe die Liebe.

Wir haben keine Religion mehr, die uns den Himmel in Aussicht stellt, analysiert Liv Strömquist, dafür jetzt „Wolke Sieben“. Weil die Liebe so zum einzigen absoluten Glücksversprechen in unserer aufgeklärten, individualistischen Zeit geworden ist, überhöhen wir es, was das Zeug hält. Dagegen ist „Der Ursprung der Liebe“ ein schlaues, witziges Plädoyer für mehr Lockerheit. Besonders geeignet für Desillusionierte, Verschmähte – und unbedingt auch frisch Verliebte.

Vorgestellt von Tanja Küchle

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 21.03.2018, 08:30 Uhr

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