Cover Lugmeier Die Leben des Käpt'n Bilbo
Cover Lugmeier Die Leben des Käpt'n Bilbo Bild © Verbrecher Verlag

So grausam die Erfahrungen von Lagerüberlebenden gewesen sind, so abenteuerlich und oft phantastisch sind die Biographien derer, die sich ins Ausland retten konnten. Gleich vier Biographien schrieb der Boxer, Maler, Kneipier und Bonvivant Hugo Cyrill Kulp Baruch über sein eigenes Leben, an dessen Ende er sich Käpt’n Bilbo nannte und in Wilmersdorf eine Hafenspelunke betrieb.

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Cover Lugmeier Die Leben des Käpt'n Bilbo

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zum Artikel Ludwig Lugmeier: Die Leben des Käpt´n Bilbo. Faktenroman

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Geboren wurde Hugo Cyrill Kulp Baruch am 13. April 1907 in einer Luxuswohnung am Berliner Kurfürstendamm 61, wächst im boomenden Kaiserreich in einer Traumwelt auf. Die Großen der Bühnenwelt gehen bei seinem Großvater ein und aus, Max Reinhardt, Otto Brahm, und auch der Kaiser erweisen dem Bühnenzar die Ehre. Von der unglücklichen Ehe seiner Eltern merkt der kleine Hugo wenig. Der Vater vergnügt sich im Glanz der jungen Filmindustrie. Daisy, die Mutter, geborene Tuchmann, sehnt sich nach London zurück, will sich scheiden lassen und wird depressiv. Derweil stolziert der kleine Hugo herausgeputzt mit dem Papa in das Marmorhauskino, das Bruno Baruch mit anderen gegründet hat.

Aus diesem kindlichen Trauma wird das Kernthema seiner Malerei: der lustvolle Hedonismus seines Vaters und die depressive Abstinenz der Mutter verwandeln sich in die wilden Weibsbilder in seiner Kunst, die gezüchtigt werden. Als aus Hugo Baruch der Maler Jack Bilbo geworden ist, der im Rausch expressionistische Frauenakte auf die Leinwand wirft, entwickelt er die Kunstströmung der "Popologie" – mit breiten Schwüngen malt er Frauen, die sich verweigern, Rückenakte, mit Striemen auf den Pobacken gefesselter Frauen.

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Ludwig Lugmeier: Die Leben des Käpt’n Bilbo – Faktenroman

Verbrecher Verlag
24 Euro

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Fazit

Faszinierend ist die Biographie von Hugo Cyrill Kulp Baruch alias Jack Bilbo, aberwitzig sind die Volten dieser Lebensgeschichte, aus denen er immer neue Funken schlug. Unzählige Male muss Jack Bilbo existentielle Niederlagen einstecken, doch ungebrochen steht er immer wieder auf. Ein Lesevergnügen von ganz besonderer Güte.

Vorgestellt von Jochanan Shelliem

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 12.4.2018, 8:30 Uhr

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