Luth Wilhelm Kellerhoff - Die Tote im Wannsee
Krimi in den bewegten Sechzigerjahren Bild © Ullstein

Berlin, 1968: Eine junge Frau wird tot am Ufer des Wannsees gefunden. Im Laufe der Ermittlungen findet Kommissar Wolf Heller heraus, sie hatte in der Kanzlei des linken Anwalts Horst Mahler gearbeitet. Warum musste sie sterben?

Knapp ein Vierteljahrhundert nach Ende des Zweiten Weltkriegs vollzieht sich in der Gesellschaft ein Generationenwechsel. Die Alten schütteln den Krieg aus den Kleidern und wollen am Wirtschaftswunder teilhaben, sich aber oft nicht mehr mit der Vergangenheit auseinandersetzen. Die Jungen proben den Aufstand gegen Altnazis und ihre dunklen Geheimnisse, gegen die Eltern, den Staat und verkrustete Konventionen. Heller ermittelt in diesem Milieu und hat es plötzlich mit viel mehr zu tun als "nur“ mit einer Toten.

Der Reiz der Zeit

Die Idee, eine fiktive Geschichte ins reale Berlin im Jahr 1968 zu platzieren, hat einen großen Reiz. Denn man liest hier nicht nur einen Mordfall sondern eine Mordsgeschichte: "Die Tote im Wannsee“ ist ein Kriminalroman, klar. Aber er ist auch ein politisches Statement und eine Gesellschaftsstudie. Was kam auf den Tisch, worüber wurde gesprochen, was lief im Radio und im Kino, wie verbrachte man seine Freizeit, welche Gesetze galten noch, die heute aus uralten Vorzeiten scheinen, und wohin wollte sich die deutsche Gesellschaft entwickeln? Und – welche Rolle spielte dabei die geteilte Stadt Berlin mit ihren zwei Gesellschaftsmodellen?

Weitere Informationen

Lutz Wilhelm Kellerhoff: Die Tote im Wannsee

Ullstein
384 Seiten
16 Euro

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Fazit

Ich habe mich von der ersten Seite an hinein ziehen lassen in das Gedankenspiel des Autorenkollektivs Lutz Wilhelm Kellerhoff und der Idee, viel Wahres mit rein zu packen - und damit aus einer einfachen eine sehr komplexe Geschichte zu machen. Die Spannung entsteht gar nicht so sehr in der Mordermittlung, sondern dadurch, wie die Zeit im Jahr 1968 in Berlin dargestellt wird.

Vorgestellt von Daniella Baumeister

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 18.09.2018, 08:30 Uhr

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