Madeleine Albright - Faschismus
Madeleine Albrights sechstes Buch: eine Warnung vorm demokratischen Kuschelkurs Bild © Dumont

Dieses Buch stellt den Versuch an, eine der großen Fragen unserer jüngeren Geschichte zu beantworten: Wie konnte die Euphorie für Adolf Hitler und sein Tausendjähriges Reich möglich werden – und könnte sich das tatsächlich heute wiederholen?

Aus Albrights Sicht ist klar: Faschismus blüht auf im Umfeld vom wirtschaftlichem, sozialem und politischem Chaos. Moderne Faschisten nutzen Ängste und Unsicherheiten in der Bevölkerung zu ihrem Zwecke aus. Kommt dann noch eine zerstrittene oder einfach nur müde Opposition dazu, öffnet das ihrer Meinung nach dem Faschismus Haus und Hof.

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Madeleine Albright

Eigentlich könnte sie sich getrost zur Ruhe setzen. 81 Jahre alt ist die Grande Dame der US-Außenpolitik mittlerweile, hinter ihr liegt nicht nur eine einzigartige diplomatische Karriere, sie unterrichtet auch in hohem Alter noch als Professorin im Fach Internationale Beziehungen an der Georgetown University. Außerdem leitet sie eine Beratungsfirma in Washington, mit der sie nach wie vor zu den wichtigsten politischen Akzentgebern zählt. Weil das einer wie Madeleine Albright aber immer noch nicht genügt, hat sie in diesem Jahr ihr sechstes Buch veröffentlicht: "Faschismus. Eine Warnung“ ist nun auch in deutscher Übersetzung auf dem Markt.

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Parallelen zwischen gestern und heute

Europa steht bei Albright über lange Strecken im Mittelpunkt - mit Mussolini, Hitler, Stalin, Franco in Spanien, Salazar in Portugal, Tito in Jugoslawien. Aber sie blickt auch auf die Vergangenheit von Japan und Indien, in unserer politischen Gegenwart widmet sie Erdogan und Putin ein ganzes Kapitel, auch Ungarns Victor Orban ist Thema, die Philippinen und Nordkorea. Ganz am Ende schlägt Albright den Bogen zurück in die USA und zu Trump und appelliert, dass Demokraten und Republikaner zusammenarbeiten müssen zur Wahrung der Demokratie.

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Madeleine Albright – Faschismus. Eine Warnung

Übersetzung: Berhard Jendricke / Thomas Wollermann
Dumont
320 Seiten
24 Euro

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Fazit

Manche Vergleiche, die Albright zieht, wirkten etwas schwach, weil man die Vergangenheit nie eins zu eins gleichsetzen kann mit der Gegenwart. Aber ansonsten ist dieses Buch eine rasend schnelle Reise durch die Geschichte. Madeleine Albright arbeitet mit eher kurzen Abschnitten, die 17 Kapitel sind im Schnitt 20 Seiten lang. Ab den 1990-Jahren, also ab dem Zeitpunkt, wo Albright selbst UN-Botschafterin und später dann US-Außenministerin war, plaudert sie auch immer mal wieder aus dem Nähkästchen. Das ist geballte Lektüre von einer klugen Frau, die sagt: Wir müssen darauf achten, dass wir in demokratischen Systemen keine undemokratischen Anführer möglich machen. Aber wirklich neue Aspekte fügt sie dem schon bekannten nicht hinzu, sie betrachtet vielmehr die letzten hundert Jahre aus einer stark zugespitzten Perspektive.

Vorgestellt von Bianca Schwarz

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 16.7.2018, 08:30 Uhr

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