Podcast Paul Beatty: Der Verräter (Roman)

Paul Beatty: Der Verräter

Der afroamerikanische Schriftsteller Paul Beatty (56) gehört spätestens seit diesem Roman, für den er 2016 als erste US-Amerikaner überhaupt den britischen Man Booker Preis bekam, zu den großen US-Autoren. Eines ist klar: Ein weißer Amerikaner hätte den Roman kaum schreiben können. Man hätte ihm die Geschichte nicht abgenommen. Sarkastisch und mit bitterer Ironie spitzt Beatty alles zu, was in den USA an rassistischen Vorurteilen gang und gäbe ist.

Rassismus als Alltag

Der Erzähler, ein junger Afroamerikaner aus Dickens, einem fiktiven Vorort von Los Angeles, einer Ghetto-Gemeinde, steht vor dem Obersten US-Gericht. Sein Verbrechen: die Sklaverei und die Rassentrennung wieder eingeführt zu haben. Doch er bereut das keineswegs. Für ihn ist das nur eine logische Entwicklung, eine vernünftige Reaktion auf die Tatsache des allgegenwärtigen, alltäglichen Rassismus. Sein Verhalten ist nicht zuletzt das Ergebnis der extrem unorthodoxen Erziehungsexperimente seines alleinerziehenden Vaters.

Fazit

Deutlicher kann man der US-Gesellschaft keinen Spiegel vorhalten. Amerika, so die böse Pointe, solle endlich anerkennen, dass seine Verfassung, die Sklaverei und Rassismus verbietet, ein schlechter, leider aber alltäglicher Witz ist. Dass beides wieder eingeführt würde, wie der Erzähler es anstrebt, ist nichts als die Anerkennung der Realität. Und "Widersprüche", so Beattys Erzähler, "sind weder Sünde noch Verbrechen … , sondern menschliche Schwächen wie der Glaube an die Willensfreiheit und Haarspliss".  Es ist eine Art Tragikomödie, bei dem einem das Lachen bisweilen im Hals steckenbleibt.

Paul Beatty
Der Verräter
Übersetzung: Henning Ahrens
Luchterhand Literaturverlag
20 Euro

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