Das Cover von Thomas Hürlimann: Heimkehr
Das Cover von Thomas Hürlimann: Heimkehr Bild © S. Fischer Verlag

Spätestens seit dem mit Bruno Ganz erfolgreich verfilmten Roman "Der Kater" gilt Thomas Hürlimann als einer der großen Schweizer Schriftsteller. Neben Geschichten hat Hürlimann auch zahlreiche Theaterstücke verfasst. Jetzt ist nach zwei Novellen mit "Heimkehr“ sein dritter Roman erschienen.

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Das Cover von Thomas Hürlimann: Heimkehr

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Johannes Kaiser über Thomas Hürlimanns "Heimkehr“

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Die Geschichte beginnt in den Schweizer Bergen in einem kleinen Tal. Nach einem Autounfall auf spiegelglatter Straße zieht sich der Erzähler blutüberströmt am Brückengeländer entlang in Richtung der väterlichen Gummifabrik und dessen Villa. Wer wird ihn, den Sohn des Fabrikanten Übel, der mit Kondomen seinen Reichtum gemacht hat, finden und retten?
Nach einem abrupten Szenenwechsel findet Übel Junior sich in Sizilien wieder. Eine lange Narbe ziert seine Stirn, alle halten ihn für einen Mafioso. Dabei weiß der junge Heinrich Übel wirklich nicht, was ihn hierher verschlagen hat, versucht verzweifelt, sich an den Unfallhergang zu erinnern. Nur so viel weiß er: Er wollte in jener Nacht zum Vater zurückkehren, der ihn Jahre zuvor rausgeworfen hatte.

Hürlimann mal ganz anders

Über 500 Seiten lang versucht der Erzähler, die Ereignisse der Unfallnacht zu rekonstruieren und stolpert dabei von Sizilien in den afrikanischen Dschungel, gelangt mit gefälschtem Pass wieder in die Schweiz, folgt seinem Vater nach Westberlin, kehrt nach dem Fall der Mauer heimlich in die Schweiz zurück.

Schon die sizilianische Mafiageschichte ist völlig unglaubwürdig, die afrikanischen Ereignisse eine Märchenerzählung und der Besuch in Ostberlin bei den Genossen von hanebüchener Absurdität. Dieses sozialistische Ostberlin hat es so nie gegeben. Das Buch kommt wie eine Karikatur eines realistischen Romans rüber. Alles ist satirisch überspitzt. Das gilt insbesondere für die Figuren. Sie sind bis zur Unkenntlichkeit überzeichnet. Kurz und knapp: für Hürlimann ein außergewöhnlicher Roman.

Weitere Informationen

Thomas Hürlimann: Heimkehr

S. Fischer Verlag
582 Seiten
25 Euro

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Fazit

Mit "Heimkehr" hat Thomas Hürlimann eine Art Schelmenroman vorgelegt, der bisweilen Längen aufweist, aber durchaus seine amüsanten Seiten hat, mit satt ausgemalten Bildern auftrumpft und sich selbst nie ganz ernst nimmt. Man kann ihn auch als Satire auf Krimis verstehen. Allerdings ist der Held alles andere als ein Held, bisweilen liebenswert, oftmals unglaublich naiv, stets lächerlich und lachhaft. Und doch gelingt es Hürlimann, so zu fesseln, dass man doch wissen möchten, was wirklich geschah. Wie angesichts der Geschichte zu erwarten, serviert er uns ein völlig überraschendes Ende.

Vorgestellt von Johannes Kaiser

Sendung: hr2-kultur, hr2-Kulturfrühstück, 04.09.2018, 08:30 Uhr

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