Podcast Tim Parks: In Extremis

Tim Parks: In Extremis

Tim Parks ist einer der renommiertesten Gegenwartsautoren Großbritanniens. In seinem italienischen Exil schaut er skeptisch auf die Insel und übersetzt große Autoren wie James Joyce ins Italienische. Mit schöner Regelmäßigkeit erscheinen seine Romane und Essaybände im Kunstmann-Verlag. Jetzt wird es extrem, verspricht der Titel. Grund genug hinzuschauen.

In kunstvollen Zeitschleifen erzählt Tim Parks von dem emeritierten Linguisten Thomas und dem Tod von dessen Mutter. 'In extremis' bedeutet so viel wie "in den letzten Zügen liegend" und bezieht sich eindeutig auf diesen Akt des Sterbens, der den Handlungsraum des Buches bestimmt. Daneben aber geht es um Ehe, Liebe, Sex und Prostataprobleme, die mit einem Anal-Massagestab gelindert werden können. Mit klugem, situativem wie sprachlichem Witz geht Parks dorthin, wo sich jeder einmal wiederfinden wird. Die Konfrontation mit der sterbenden Mutter im Kreis einer sehr disparaten Familie aber ist hier in jeder Hinsicht überfordernd.

Fazit

Eros und Thanatos, Liebe und Tod, das sind zwei Säulen jeglicher Literatur. Tim Parks allerdings schafft es, diesem Paar noch neue Nuancen abzugewinnen. Er geht über jedes Tabu hinweg ganz dicht ran, an den sterbenden Menschen und schafft dann punktuelle Distanz durch kleine Rückblicke in die Vergangenheit. Er verbindet darin das Allgemeine mit dem ganz Persönlichen. Das banale Sterben wird so zu einem Moment individueller Einzigartigkeit. Ein Buch für alle, die es lieben, sich intensiver mit den Dingen auseinanderzusetzen.

Tim Parks
In Extremis
Übers.: Ulrike Becker
Verlag Antje Kunstmann 2018
24 Euro

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