Podcast Ursula Heinzelmann: Vom Käsemachen (Sachbuch)

Heinzelmann: Vom Käsemachen

Ursula Heinzelmann ist seit Jahrzehnten auf der Spur der geronnenen Milch mit anschließender Kulturbehandlung plus Reife, hat einige Bücher darüber verfasst, hält Seminare ab, schreibt einen Blog – kurzum: Sie ist Frau Käse, sie weiß alles. Und jetzt?

Jetzt kommen von ihr Reiseberichte über Käsemacherinnen, es sind meistens Frauen, in Kalifornien, im Allgäu, in Irland, England, der Schweiz, der Türkei - also nicht nur den klassischen Käseländern. Kleine Meiereien, von Freaks, von Aussteigern, von Abenteuern, von Enkeln, denen der Opa die Käsegeheimnisse auf dem Sterbebett anvertraut hat – allesamt rechtschaffende Menschen mit einer Mission: Käse abseits industrieller Prozesse herzustellen und davon zu leben.

Friede, Freude, Käsekuchen

"Ich und der große Toto aus Italien mit seiner kleinen Käsemanufaktur", "ich und die tollen Aussteigerinnen in Kalifornien" (die dann an einen Konzern verkauft haben), "ich und die Käsemacherinnen in Vermont nahe der kanadischen Grenze" (,die natürlich ständig ausgebaut haben um die Schickeria in New York beliefern zu können). "Ach ist das herrlich, ach wie glücklich war ich" usw.Das ist definitiv zu kitschig, zuviel heile Welt. Man kann allerdings über dieses esoterische hinweglesen, Appetit bekommen auf seltene Käse, sich ein Stück blauschimmeligen englischen Stilton kaufen und ihn mit kräftigen Rotwein genießen.

Versäumnisse beim Verlag

Der Insel-Verlag hätte soviel mehr draus machen können: Strengeres Lektorat, weniger Fotos von sämtlichen erwähnten Käsen (, die ohne Bildunterschriften sowieso ziemlich wertlos sind), dafür vielleicht Menschen, Kessel, Dampf, Landschaften, Ziegen abbilden können. Lieblos ist zuviel gesagt, aber im Buch ist nur Text, Text, Text. Das ist schade: Der Insel-Verlag hat vor einem Jahr mit dem Buch "Brot - auf der Suche nach dem Duft des Lebens" von Walter Mayer durchaus bewiesen, dass man mit liebevollen Grafiken und kurzen, brillanten Reportagen Leser begeistert. Hier leider nicht, denn Ursula Heinzelmann ist allein mit ihren Gefühlen gelassen worden und leider nicht Journalistin genug oder vielleicht auch nicht weit genug weg vom Thema, um noch neugierig zu sein.

Und dass nicht eine einzige Geschichte über die abgepackten Tisiter aus dem Supermarkt drin ist, ist echt ein Versäumnis. Das sind ja auch Menschen, die den machen, die will man doch auch kennenlernen, nicht nur die tollen mutigen Frauen aus Vermont!

Ursula Heinzelmann
Vom Käsemachen
Tradition, Handwerk und Genuss
Insel
Euro 20

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