Buchcover - Waguih Ghali - Snooker in Kairo
Historisch und brandaktuell Bild © C.H. Beck

Waguih Ghali ist ein spannender, früh vollendeter Autor - nicht nur, weil er eine bestimmte, politisch aufgewühlte Zeit in eine faszinierende Form brachte, sondern auch weil das von ihm geschilderte Ägypten der 50er Jahre zugleich einen Schatten auf das Heute. Nun ist sein einziger Roman "Beer in the Snooker Club", der als Meisterwerk gilt, erstmals unter dem Titel „Snooker in Kairo“ auf Deutsch zu entdecken.

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Es sind die 1950er Jahre in Ägypten. Nasser hat sich 1952 an die Macht geputscht. Gebessert aber hat sich danach nichts. Ram, die Hauptfigur in Waguih Ghalis Roman "Snooker in Kairo" ist verzweifelt und zynisch zugleich. Als koptischer Christ in eine wohlhabende Großfamilie hineingeboren, ist er selbst zwar mittellos, lebt aber in den luxuriösen Verhältnissen seiner Schicht.

Wie ein Riss

Einerseits ist Ghalis junger Held ein Spieler und Trinker, der sich gerne mit schönen Frauen umgibt. Andererseits viel zu gebildet, um die Scheinwelt und ihre Widersprüche nicht zu durchschauen. Wie durch Ägypten geht durch ihn selbst ein Riss. Er verachtet seine Klasse. Und kann sich doch nicht von ihr frei machen – seine Tanten und Freunde füttern ihn durch, bezahlen seine Spielschulden und Drinks. Als sein bester Freund Font und er die reiche, politisch engagierte Jüdin Edna kennenlernen, scheint sich aber etwas Grundlegendes zu verändern. Ram verliebt sich in Edna. Eine "amour engagée", wie er einmal sagt. Zu dritt gehen sie nach London.

Weitere Informationen

Waguih Ghali: Snooker in Kairo

Aus dem Englischen von Maria Hummitzsch
C.H. Beck
256 Seiten
22 Euro

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Fazit

Mehr als 50 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung ist dieser große, während des Arabischen Frühlings von vielen jungen Ägyptern neu entdeckte Roman erstmals ins Deutsche übersetzt worden. Es scheint, als hätte Ghali gewusst, dass er nur diesen einen Roman vollenden würde: Er hat in ihn alles hineingepackt, was er über sich und sein Land zu sagen hatte. Weil er das mit aller Konsequenz, Leidenschaft und Allgemeingültigkeit getan hat, weist das Buch trotz aller gesellschaftlichen Veränderungen des letzten halben Jahrhunderts über seine Entstehungszeit hinaus. Und ist sogar heute noch, betrachtet man die neuerlich gescheiterte Revolution in Ägypten und die despotische Herrschaft Al-Sissis, brandaktuell.

Vorgestellt von Ulrich Rüdenauer

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 15.5.2018, 08:30 Uhr

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