Zygmunt Bauman: „Retrotopia“
Bild © Suhrkamp

Vor etwa 500 Jahren schrieb Thomas Morus sein "Utopia" und damit einen der einflussreichsten Texte der Neuzeit. Diese Zeit, so der berühmte, 2017 verstorbene Soziologe Zygmunt Bauman, ist vorbei.

Ab jetzt leben wir in Retrotopia und blicken am liebsten zurück, in der irrigen Annahme, dass früher alles besser war. Bauman kann diesem verbreiteten Gefühl nicht viel abgewinnen. Er erzählt, dass Nostalgie und die Sehnsucht noch etwa im 17. Jahrhundert als Krankheit galt, gegen die Blutegel und anderes empfohlen wurde. Er erklärt den Erfolg des Retro vor allem aus den Problemen der Gegenwart. Insbesondere eine mittlerweile obszöne soziale Ungerechtigkeit und das Gefühl, in der Politik nichts mehr steuern zu können, sind für ihn die Ursachen.

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Zygmunt Bauman: Retrotopia

Übers.: Jakubzik Frank
Suhrkamp Verlag
220 Seiten
16,- Euro

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Fazit

Sein Buch ist eine anregende und gute Lektüre gerade für den Jahresbeginn, denn auch 2018 werden garantiert wieder rechte Ideologen auftreten, die Retro predigen - ob als Nationalismus oder verbunden mit Xenophobie. Ein Buch der Trauer darüber, dass die Politik es den Menschen abgewöhnt hat, für sich oder ihre Kinder eine bessere Zukunft zu erträumen - und ein Wunsch danach, dies auch wieder zu ändern.

Vorgestellt von Mario Scalla

Sendung: hr2-kultur, Kulturfrühstück, 03.01.2018, 08:30 Uhr

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