Kristof Magnusson

Kristof Magnusson ist ein isländisch-deutscher Schriftsteller. Wieso er auch Werke in Einfacher Sprache schreibt, erklärt er im Gespräch.

hr2-kultur: Warum schreiben Sie (auch) in Einfacher Sprache?

Kristof Magnusson: Dafür gibt es viele Gründe. Da ist natürlich zum einen der Inklusionsgedanke. Es gibt Millionen von Menschen in Deutschland, die unser normales geschriebenes Deutsch nicht verstehen, zum Beispiel aufgrund von Behinderungen, kognitiven Einschränkungen oder auch, weil sie erst dabei sind, Deutsch zu lernen. Ich finde es wichtig, auch diesen Leuten die Teilhabe an unserem kulturellen Leben zu ermöglichen – und ein Weg dazu ist eben Literatur in Einfacher Sprache.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Lesung | Julia Schoch "Einfach"

Julia Schoch
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Genauso hat mich am Schreiben in Einfacher Sprache allerdings das künstlerische Experiment interessiert. Es gibt ja eine lange Tradition von Künstlerinnen und Künstlern, die ihre künstlerischen Mittel bewusst beschränken, um zu gucken, was das mit ihrer Kreativität macht. Die Dogma-Filmer um Lars von Trier sind ein Beispiel dafür, ein anderes ist der französische Autor Georges Perec, der einen ganzen Roman ohne den Buchstaben "e" geschrieben hat. Wenn man seine künstlerischen Mittel auf diese Art einschränkt, kommt man natürlich auf ganz neue Ideen. Man hat also beim Schreiben von Literatur in Einfacher Sprache gleich zwei Dinge auf einmal: Inklusion und literarisches Experiment.

Ist Einfache Sprache auch einfach zu schreiben?

Nein. Es ist eher, frei nach Brecht, das Einfache, das so schwer zu machen ist.

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Sendungen in hr2-kultur

17.3. | 12:04 Uhr (Wdh. 23.3. | 18:04 Uhr) | Kulturszene Hessen: Literatur in Einfacher Sprache
23.3. | 09:30 Uhr | Lesung: Julia Schoch "Einfach"
26.3. | 22:00 Uhr | Lesung: Verena Boos "Sie geht"

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Gibt es Einfache Sprache auch in Island?

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Lesung | Verena Boos "Sie geht"

Verena Boos, Autorin
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Ja. Aber auf eine ganz andere Art und Weise, nämlich als Literaturtradition bei den mittelalterlichen Sagas. Die Faszination der Sagas geht von den spannenden Geschichten und vielschichtigen Charakteren aus – die Sprache, in denen sie erzählt werden, ist ziemlich einfach: kurze Sätze. Wenige Adjektive. Keine Fremdwörter. Die Sprache der Isländersagas entfaltet gerade durch ihre Einfachheit eine enorme Kraft. Sie ist immer einfach, aber niemals einfältig. Das ist auch mein Ideal beim Schreiben von Literatur in Einfacher Sprache.

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Lesungen im Literaturhaus Frankfurt

Literatur in Einfacher Sprache
u.a. mit den Autor*innen Judith Hermann, Jens Mühling und Arno Geiger
Mittwoch, den 27.3., 8.4. und 26.6., 19:30 Uhr
Literaturhaus Frankfurt, Schöne Aussicht 2, 60311 Frankfurt

Programmkalender Literaturhaus Frankfurt

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Wo wünschen Sie sich mehr Einfache Sprache?

Ich wünsche mir erst einmal, dass mehr Leute den Wert von Einfacher Sprache erkennen. Ich begeistere mich sehr für Literatur, die sich langer Sätze, komplexer Metaphern und ungewöhnlicher Wortkreationen bedient. Thomas Mann, Thomas Bernhard, Herta Müller. Das will ja auch niemand abschaffen. Aber man sollte meines Erachtens ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass auch Texte in Einfacher Sprache klug und literarisch wertvoll sein können.

Kritiker und Kritikerinnen der Einfachen Sprache sehen ja – wie sich das für Kulturkritiker gehört – schon wieder den Untergang des Abendlandes heraufziehen, nur wenn man sagt, dass Literatur vielleicht nicht zwingend kompliziert sein muss, um künstlerisch wertvoll zu sein. Stilistische Komplexität hat mit inhaltlicher Qualität erst einmal gar nichts zu tun: Stephen Hawking, um nur ein Beispiel zu nennen, schreibt einen ganz klaren, einfachen Stil.

Sendung: hr2-kultur Kulturszene Hessen, 17.3.2019, 12:04 Uhr

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