Im Nordosten Indiens hat die katholische Kirche viele Priester, aber wenig Geld. In Deutschland ist es andersherum. Es hat sich etabliert: Ein in Deutschland tätiger indischer Priester gibt einen Teil seines Gehalts an sein Heimatbistum ab.

Sie sind eine absolute Minderheit in einem mehrheitlich hinduistischen Land – die Katholiken in Indien. Und doch kann der Süden des Subkontinents auf eine lange christliche Tradition zurückblicken: Immerhin soll der Apostel Thomas in der Kathedrale von Chennai am Golf von Bengalen im Süden Indiens begraben liegen. In den Nordosten des Landes kam der Katholizismus hingegen erst im 19. Jahrhundert – dank eines Missionars aus dem Erzbistum Bamberg.

Von der finanziellen Hilfe, die aus deutschen Kirchenkreisen nach Indien fließt, kann die Kirche aber auch hierzulande profitieren. Denn während die katholische Kirche in Indien mit Geldnöten zu kämpfen hat, kann sie sich über steigende Priesterzahlen freuen. Und gerade der Priester-Nachwuchs lässt in den deutschen Diözesen zu wünschen übrig. Eine Win-win-Situation?

Im Oriens College im Nordosten Indiens, einem gemeinsamen Priesterseminar von 15 Diözesen, bereiten sich derzeit 86 Seminaristen auf den Priesterberuf vor. Diese seien aber für die heimische Kirche, sagt Regens Kuriakose Poovathumkudy, Leiter des Priesterseminars: "Wir konzentrieren uns ganz auf die hiesigen Bedingungen und bereiten die Seminaristen auf einen Dienst in unseren Diözesen vor. Deshalb ist die Arbeit außerhalb von Indien auch kein Thema im Seminar."

Stattdessen liegt der Fokus etwa auf einem Priesterleben in katholisch gewordenen Stammesvölkern. Mancher indische Bischof verzichtet aber auch im Nordosten Indiens gerne auf den einen oder anderen seiner Priester. Für die Bischöfe zahlt sich das nämlich aus: In der Regel gibt jeder Priester, der von Indien nach Deutschland geht, einen Teil seines Gehalts an seinen Heimatbischof ab.

Ein Beitrag von Simon Berninger.

Sendung: hr2-kultur, Camino, 26.05.2019, 11:30 Uhr

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