Kann neue Poesie ein ganzes Land in Aufruhr versetzen? Offensichtlich – wenn es sich um eine Insel handelt, deren nationale Identität mit auf einer Jahrhunderte alten literarischen Tradition beruht. In Island brach in den 1950er Jahren ein spektakulärer Lyrikstreit aus.

Als Island vor 100 Jahren, am 1. Dezember 1918, vom dänischen König die Souveränität gewährt wurde, war das ein erster Schritt in die Freiheit. Allerdings blieb der Monarch das isländische Staatsoberhaupt. Endgültig endete die dänische Herrschaft erst, als sich die Isländer mitten im Zweiten Weltkrieg, am 17. Juni 1944, zur unabhängigen Demokratischen Republik erklärten.

Der Krieg und die absolute Selbstständigkeit modernisierten das soziale und politische Gefüge der Insel nachhaltig. Darauf reagierte damals auch eine Gruppe junger Lyriker, die schnell als "Atomdichter" beschimpft wurden. Vehement forderten sie eine ganz neue Formensprache in der Dichtkunst und lösten damit einen Kulturstreit aus, der die junge isländische Republik erschütterte.

WDR 2014

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