Mit Robert Schoens neuer Radioarbeit "Aus dem Leben einer Schwebfliege" gelangt sein LETriptychon um und mit dem Performer, Schauspieler und bekennenden Musikliebhaber Lorenz Eberle zum Abschluss.

In "Schicksal, Hauptsache Schicksal" (2010), einer völlig neuen und anderen Art literarischer Adaption (Joseph Roths "Legende vom heiligen Trinker"), gelingt Eberle eine lässig-leichte, nahezu traumhafte "Einverleibung" der Rolle des Trinkers und verhilft dem Stück zu einer eindringlichen, intensiven Authentizität. In der trostlosen Welt der "verlorenen Söhne" (2016) taucht er in die Rolle eines von tiefen Schuldgefühlen gegenüber dem Vater geprägten Mannes ein, dessen verbrauchte Stimme (Hesitationsvokalisationen, wilde Interjektionen, Knarrstimme – interessanterweise ingressiv) einer gnadenlosen phonetischen Analyse unterzogen wird.

Nun, im letzten Stück, gibt sich Eberle als Etzel Andreas Mauss auf den Wogen der Musik verführerischen Todessehnsüchten hin. Mit Bruckners "Te deum" im Ohr und Dosenbier in der Hand die Angst vor dem Tod verlieren, so stellt er sich das vor. Der Freitod nicht als fataler Ausweg, sondern an den Rändern flankiert von Celan, Cioran oder Captain Willard, als letzte Leidenschaft und Freiheit. Eine pagane Nänie auf ein gesellschaftliches Tabu.

etzel andreas mauss will unbeschwert davongleiten

er lässt uns teilhaben

an seiner zarten entschöpfung

zwanglos sitzt er

weltvergessen

in seinem pariser zimmer

kommt zur ruhe

die musik der fährmann

das bier sein proviant

jetzt hier bei einem friedlichen f-dur

der brief an den vater - unbeantwortet

die karriere als schauspieler - gescheitert

spricht er sein testament in die saiten des alten klaviers

trinkt und träumt davon als volucella zonaria

unberührt von ideen und gedanken dem horizont entgegenzuschweben.

(Robert Schoen)

Mit Lorenz Eberle als Etzel Andreas Mauss.
In weiteren Rollen Sibylle Dinse sowie Fanny und Nora Treptow.
Aisha Orazbayeva – Violine

Konzept & Realisation: Robert Schoen

hr 2018

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Robert Schoen

geboren 1966 in Berlin. Studium der Angewandten Theaterwissenschaft in Gießen. Radioarbeiten seit Mitte der 90er. Hörspielpreis der Kriegsblinden 2011 für "Schicksal, Hauptsache Schicksal" sowie ARD Online Award 2013 für "Heidi Heimat"; "Die verlorenen Söhne" wurde von der Akademie der Darstellenden Künste zum Hörspiel des Monats März 2017 gewählt.

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Anschließend ab 21:55 Uhr:
Paolo Fresu/A Filetta/Daniele di Bonaventura "Mistico Mediterrano"

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Sendung: hr2-kultur, Hörspiel, 21.03.2018, 21:00 Uhr

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