Max Frischs Protagonist in "Homo faber" glaubt, Kraft seiner überragenden rationalen Fähigkeiten sein Schicksal und sogar den Tod überwinden zu können – ein fataler Irrtum, der eine Tragödie klassischen Ausmaßes in Gang setzt.

Die darin eingeschriebene Kritik Frischs an einem grenzenlosen technischen Fortschrittsglauben hat bis heute nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Heinz Sommer hat daraus ein erzählstarkes 6-teiliges Hörspiel extrahiert, das von Leonhard Koppelmann in Szene gesetzt ist, und zu dem Jörg Achim Keller mit der hr-Bigband einen klangstarken Soundtrack liefert.

Unter dem Eindruck der rasanten technischen Aufrüstung während des Zweiten Weltkrieges, und vor allem angesichts der beiden Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki, notiert Max Frisch Ende der 1940er Jahre in sein Tagebuch: "Wir können, was wir wollen, und es fragt sich nur noch, was wir wollen; am Ende unseres Fortschritts stehen wir da, wo Adam und Eva gestanden haben; es bleibt uns nur noch die sittliche Frage."

Bis 1957, als sein Roman "Homo faber" erscheint, hat sich die Geschwindigkeit der technischen Entwicklungen noch einmal rasant beschleunigt. Der Titel meint dabei nicht nur die zentrale Figur des Romans, sie ist ein feststehender anthropologischer Begriff: Als "Homo Faber" bezeichnet man seit der Antike den Menschen als werkzeugmachendes Wesen.

Max Frisch
Max Frisch, 1973 Bild © picture-alliance/dpa
Weitere Informationen

Max Frisch

(1911-1991), Schweizer Schriftsteller und Architekt. Mit Theaterstücken wie "Biedermann und die Brandstifter" oder "Andorra" sowie mit seinen drei großen Romanen "Stiller", "Homo faber" und "Mein Name sei Gantenbein" wurde er weltberühmt.

Ende der weiteren Informationen

Bevor Frisch Schriftsteller wurde, arbeitete er als Architekt, unter dem Eindruck dieses in großen Teilen technischen Berufs, konstatiert Frisch, "der moderne Mensch [lebe] an sich selbst vorbei und [ergebe] sich dabei der Machbarkeitseuphorie der Technik. Sein tiefstes Wesen und sein Schicksal geraten ihm dabei aus dem Blick, menschliche Beziehungen und Kommunikation unterwerfen sich dem Diktat der Naturwissenschaften." Jetzt erkennt Frisch also nicht mehr nur ein moralisches Problem in einer zusehends durchtechnisierten Welt, sondern auch ein emotionales – der Mensch, der glaubt, das Leben nach den Gesetzen von Logik und Wissenschaft organisieren zu können, kommt sich zusehends selbst abhanden, er verliert sukzessive seine Kommunikationsmöglichkeiten, seine Empathiefähigkeit sowie das Bewusstsein für die eigenen Ängste und Sehnsüchte.

In der kalten Sprache eines Berichts greift Frisch bereits vor etwa siebzig Jahren eine Sorge auf, die heute zwischen Twitter, WhatsApp und Facebook mehr und mehr zu unserem Alltag wird. Manche Sätze aus "Homo faber" klingen dabei fast schon wie Statements eines gegenwärtigen, technikbegeisterten Blogs: "Der Mensch als Beherrscher der Natur, und wer dagegen redet, der soll auch keine Brücke benutzen, die nicht die Natur gebaut hat. Dann müsste man schon konsequent sein und jeden Eingriff ablehnen, das heißt: sterben an jeder Blinddarmentzündung. Weil Schicksal!"

Bildergalerie

Bildergalerie

zur Bildergalerie Bilder aus der Produktion von "Homo faber"

Ende der Bildergalerie
Weitere Informationen

Die Besetzung

Max: Ueli Jäggi
Walter: Matthias Brandt
Hanna: Eva Mattes
Sabeth: Paula Beer
Ivy: Valery Tscheplanowa
Herbert: Sascha Nathan
Marcel: Clément Guyot
Stewardess, Lautsprecher Mexico: Victoria Sordo
Gast 1 (Spanier), Kubaner, Indio, Kellner Italien: Alejandro Ramón Alonso
Gast 2 (Amerikanerin), Kubanerin 1, Partygast 2, Schwester: Carrie Getman
Williams, Lautsprecher, An- und Absage: Gerd Wameling
Pilot (amerik., mittelalt), Barkeeper, Concierge, Partygast 1, Driver, Lautsprecher: John Julian
Mummy, Kubanerin 2, Partygast 4: Yollette Thomas
Professor O, Schweizer Fremdenpolizei: Walter Hess
Schiffsgast: Peter Trabner
Steward, Kubaner 2, Indio(s): Manolo Palma
Sabeths Freund, Zuhälter, Partygast 3: Jan Bluthardt
Jungen 1-4: Joshua und Nisha Wunder

Komposition: Jörg Achim Keller
Regie: Leonhard Koppelmann
Ton und Technik: Jean-Boris Szymczak, Christian Bader und Toningenieur hr/Musik
Besetzung: Cordula Huth, Stefan Cordes
Aufnahmeleitung/Regieassistenz: Susann Schütz
Dramaturgie und Redaktion: Hans Sarkowicz

Ende der weiteren Informationen
Aktueller Song:
Lädt
Lädt
Lädt - Lädt
Lädt - Lädt
mit