Marina Frenk wurde zwar in Moldawien geboren, spricht aber gar nicht Moldawisch, weil es das gar nicht gibt. Und auch nicht Rumänisch oder Ukrainisch, wie es dort verbreitet ist, sondern: Russisch. Als ihre Familie 1993 als Kontingentflüchtlinge mit einem jüdischen Familienmitglied (ihrem Vater) nach Deutschland auswandert, wird die Identitätsfrage erst richtig kompliziert: "Wissen Sie was ein DDON ist? Ein DDON ist ein Definitiver Depp Ohne Nationalität. Ich bin einer."

Seit sie damals in den vollgepackten Lada stiegen und die unendlich lange Reise in den Westen antraten, hörte die Migration eigentlich nie auf. Die Autorin und Sprecherin erzählt vom Verlorengehen, von Unbehaustheit und Heimatsuche mit und ohne Wohlstand, mit und ohne Migrationshintergrund. Von Neu-Deutschen und Alt-Deutschen oder von woandershin Ausgewanderten und der immer anders beschränkten Sicht auf die Welt. Gedichte von Paul Celan kommen da zwischen den Zeilen hervor – Marina Frenk webt sie als Gesang und Klavierinterpretationen in das essayistische Stück. In der Jury-Begründung für den CIVIS-Preis heißt es über "Jenseits der Kastanien": "Sehr nachdenklich, sehr komisch, sehr politisch – einfach brillant. Ein Meisterwerk."

Regie & Bearbeitung: Stefan Kanis

MDR 2016

Mit Marina Frenk und Dimitrij Schaad.

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Marina Frenk wurde 1986 in Chisinau, Moldova geboren und wuchs im Ruhrgebiet auf. Sie studierte Schauspiel an der Folkwang Hochschule in Essen und spielte von 2008 bis 2015 in Festengagements am Schauspielhaus Bochum, Centraltheater Leipzig, Schauspiel Köln und Maxim Gorki Theater. Sie ist Sängerin in der Ostperanto-Band Kapelsky & Marina und macht ebenso Musik mit der Noise-Elektro-Band Baba Dunyah, sowie Yuriy Gurzhy und Daniel Kahn The Disorientalists. "Jenseits der Kastanien" ist ihr Debüt als Hörspiel-Autorin.

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Sendung: hr2-kultur, Hörspiel, 18.03.2018, 14:04 Uhr

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