In Fortführung der Manifestationen der Avantgarden der Moderne bezeichnet die österreichische Künstlerin FALKNER ihre ganz unterschiedlichen kreativen Arbeiten als Manifeste, streng durchnummeriert. Es entsteht ein Gesamtwerk, das über alle Gattungsgrenzen hinweg nach Ausdrucksformen sucht, Texte mit performativen, theatralisch-deklamatorischen Mitteln zu inszenieren. In der momentanen Phase dominieren apokalyptische Szenarien als Ausgangspunkt für ihre Geschichten.

"Du darfst mich töten, wenn du mich liebst" ist die ungeheuerliche Geschichte von der Sehnsucht des Menschen nach dem Menschen. Seit Monaten hat Ivan keinen lebenden Menschen mehr gesehen. Die Straßen sind leer. Auf den Feldern vor der Stadt liegen viele Tote, wacht er morgens auf, liegen noch mehr da. Ivan glaubt sich allein auf der Welt. Aus Sehnsucht danach, jemanden zu umarmen, in jemandes Augen blicken zu können, beginnt er, aus Teilen der Toten ganze Menschen zusammenzusetzen, versucht diesen Körpern notwendige Bewegungen beizubringen. Deren Unvollkommenheit macht ihn wütend, rührt ihn aber auch, "Ich erhoffe mir von euch!" Eines Tages taucht ein junger Mann auf, Tomas. Ivan gefällt alles an ihm. Er verliebt sich in ihn. Sie erleben helle, unschuldige Tage, erzählen sich Geschichten, singen ihr Lieblingslied, tanzen. Als Ivan aber entdeckt, dass Tomas nicht einmal ein Herz hat, "Da drinnen! Da wo das Herz ist, was hast du da!?", bricht alles zusammen. Der große, große Wunsch, tot zu sein, wird immer stärker …

"Ivan ist ein unverstellter Mensch, geprägt von einer kristallklaren Radikalität, dessen Sehnsüchte jenseits jeglicher Moralität zu suchen sind. Und sein "Song of Ivan", der das Hörspiel umrahmt, ist Ausdruck davon!" [FALKNER]
Das Hörspiel wurde im November 2016 von der Deutschen Akademie der darstellenden Künste zum Hörspiel des Monats gewählt: "Die eingesetzten musikalischen Mittel verstärken die Wirkung der intensiven Bilder und Handlungen. […] Eine zentrale Rolle spielt dabei ein ungewöhnlich anziehender Song […]." Und die Medienkorrespondenz schrieb: "Falkners Hörspiele sind stets eine produktive Herausforderung."

Mit Jörg Pohl, Gideon Maoz, Claude de Demo, Barbara Stollhans, Torben Kessler, Thomas Huber und dem Geräuschemacher Max Bauer.

Komposition: Manfred Engelmayr

Regie: FALKNER

hr 2016

FALKNER, 1970 als Michaela Falkner in Österreich geboren, Schriftstellerin, Dramatikerin, Hörspielregisseurin, lebt in Wien und Algier. Promotion in politischer Psychologie

Weitere Informationen

Anschließend ab 21:45 Uhr:
Dimitar Nenov "Piano Music", Viktor Valkov (Klavier)

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Sendung: hr2-kultur, Hörspiel, 19.09.2018, 21:00 Uhr

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