Max Frischs Protagonist in "Homo faber" glaubt, Kraft seiner überragenden rationalen Fähigkeiten sein Schicksal und sogar den Tod überwinden zu können – ein fataler Irrtum, der eine Tragödie klassischen Ausmaßes in Gang setzt.

Unter dem Eindruck der rasanten technischen Aufrüstung während des Zweiten Weltkrieges, und vor allem angesichts der beiden Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki, notiert Max Frisch Ende der 1940er Jahre in sein Tagebuch: "Wir können, was wir wollen, und es fragt sich nur noch, was wir wollen; am Ende unseres Fortschritts stehen wir da, wo Adam und Eva gestanden haben; es bleibt uns nur noch die sittliche Frage." Bis 1957, als sein Roman Homo faber erscheint, hatte sich die Geschwindigkeit der technischen Entwicklungen noch einmal rasant beschleunigt. Der Titel meint dabei nicht nur die zentrale Figur des Romans, sie ist ein feststehender anthropologischer Begriff: Als "Homo Faber" bezeichnet man seit der Antike den Menschen als werkzeugmachendes Wesen.

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Hörspiel live: Homo Faber

u.a. mit Paula Beer, Matthias Brandt
und der hr-Bigband
hr-Sendesaal, Frankfurt
11.10.2018, 20 Uhr

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Bevor Frisch Schriftsteller wurde, arbeitete er als Architekt, unter dem Eindruck dieses in großen Teilen technischen Berufs, konstatiert Frisch, "der moderne Mensch [lebe] an sich selbst vorbei und [ergebe] sich dabei der Machbarkeitseuphorie der Technik. Sein tiefstes Wesen und sein Schicksal geraten ihm dabei aus dem Blick, menschliche Beziehungen und Kommunikation unterwerfen sich dem Diktat der Naturwissenschaften." Jetzt erkennt Frisch also nicht mehr nur ein moralisches Problem in einer zusehends durchtechnisierten Welt, sondern auch ein emotionales – der Mensch, der glaubt, das Leben nach den Gesetzen von Logik und Wissenschaft organisieren zu können, kommt sich zusehends selbst abhanden, er verliert sukzessive seine Kommunikationsmöglichkeiten, seine Empathiefähigkeit sowie das Bewusstsein für die eigenen Ängste und Sehnsüchte. In der kalten Sprache eines Berichts greift Frisch bereits vor etwa siebzig Jahren eine Sorge auf, die heute zwischen Twitter, WhatsApp und Facebook mehr und mehr zu unserem Alltag wird.

Mit Matthias Brandt, Ueli Jäggi, Eva Mattes, Paula Beer, Valery Tscheplanowa, Sascha Nathan, Gerd Wameling u.v.a.
Musik | Jörg Acchim Keller & hr-Bigband
Regie | Leonhard Kopperlmann
hr 2018 | 118 Min.

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Max Frisch (1911–1991),

Schweizer Schriftsteller und Architekt. Mit Theaterstücken wie »Biedermann und die Brandstifter« oder »Andorra« sowie mit seinen drei großen Romanen »Stiller«, »Homo faber« und »Mein Name sei Gantenbein« wurde er weltberühmt.

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Im Anschluss:

Werkstattbericht zu Homo Faber | Von Susann Schütz | hr 2018 | 48 Min.

In Interviews mit den Darstellern, dem Bearbeiter, dem Regisseur und dem Komponisten des Hörspiels wird ein tiefer Einblick in den Stoff und die Produktion gewährt. Das, was uns auch heute noch an Homo Faber betrifft und fasziniert, wird in vielen Gesprächen thematisiert. Die Geschichte wird so durch den Blick der Beteiligten erfahrbar.

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Teil 3: Sonntag 7. Oktober | 14.04 Uhr

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