Oscar Wilde war einer der genialen Dichter des fin de siecle, die mit verblüffendem Witz und virtuosem Können die Frivolität und die Melancholie ihrer Zeit beschrieben haben. Der 1890 entstandene Roman "Das Bildnis des Dorian Gray", auf dem Theaterstück und Hörspiel von Walter Hartley basieren, hat sehr verschiedene Reaktionen ausgelöst:

Es sei dem Autor hier gelungen, den Geschmack der Massen zugleich zu befriedigen und zu verspotten; er habe, um die bürgerliche Moral zu verhöhnen, einen perversen Genussmenschen verherrlicht; der Roman sei ein Gleichnis für den Wunsch des Menschen, schön und machtvoll zu sein, auch wenn er an seiner Seele Schaden erleidet. Das in der Literatur des 19. Jahrhunderts beliebte Motiv des Doppelgängers, das im Kern eine Persönlichkeitsspaltung beschreibt, haben u.a. E. T. A. Hoffmann und Robert Louis Stevenson behandelt. Wilde aber ist der erste, der die psychologische Abgründigkeit im Motiv der Doppelexistenz gestaltet hat.

Zu den Sprechern gehören: Friedrich Schönfelder (li.), Gert Westphal (hinten) und Jürgen Goslar, der die Titelrolle spricht.
Zu den Sprechern gehören: Friedrich Schönfelder (li.), Gert Westphal (hinten) und Jürgen Goslar, der die Titelrolle spricht. Bild © HR/Kurt Bethke

Mit: Jürgen Goslar, Gert Westphal, Friedrich Schoenfelder, Tina Kohl, Robert Seibert, Ernst Altmann, Otto Osthoff, Paul Schuch

Komposition: Aleida Montijn

Regie: Theodor Steiner

hr 1955

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Oscar Fingal O'Flahertie Wills Wilde (1854–1900), irischer Lyriker, Dramatiker und Romanautor, zählt zu den bekanntesten britischen Schriftstellern. Sein Verhältnis mit Lord Alfred Douglas, genannt Bosie, wurde ihm 1895 zum Verhängnis: Wegen "unsittlichen Verhaltens" wurde Wilde zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach der Entlassung lebte er, dem Alkohol verfallen, unter dem Namen Sebastian Melmoth in Paris, wo er am 30. November 1900 starb.

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Sendung: hr2-kultur, Hörspiel, 07.07.2019, 14:04 Uhr

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