Frank Witzels Jule, Julia, Julischka ist ein vielfach verschränktes Vexierspiel um die Lebensfrage, wo die eigene Person endet und die Rolle beginnt. Was sich in der Exposition noch ganz einfach darstellt – drei Schauspielerinnen warten auf ein Vorsprechen –, verwickelt sich zusehends zu einem Spiel der Identitäten.

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Schon bald ist gar nicht mehr klar, ob die drei auf ein Vorsprechen warten oder sich im Wartezimmer einer Arztpraxis befinden – oder ist die Arztpraxis selbst schon Teil des Stücks oder Films, in dem die drei Schauspielerinnen eine Rolle zu übernehmen hoffen? Selbst die eigene Biographie verschwimmt irgendwann im Rollenentwurf der anderen Mitspielerinnen. Schon der Titel ist eine augenzwinkernde Referenz: Thomas Bernhard hat einstmals den Schauspieler*innen (Ilse) Ritter, (Kirsten) Dene, (Gert) Voss ein Stück mit ihren Nachnamen gewidmet. Witzel nennt im Titel seines Stücks die Vornamen seiner Protagonistinnen Jule (Böwe), Julia (Riedler) und Julischka (Eichler) und verdoppelt damit das Identitätenspiel: Sind die Personen Jule, Julia, Julischka mit den Schauspielerinnen im gleichnamigen Stück identisch oder beginnt hier schon das Rollenspiel? Am Ende bleibt die grundsätzliche Frage nach Identität, oder ob wir nicht alle im Leben nur verschiedene Rollen einnehmen in Drehbüchern und Stücken, deren Verlauf sich durch jeden Mitspieler in neue unerwartete Richtungen entwickelt.

Mit:

Jule Böwe ist seit der Spielzeit 1999/2000 Ensemblemitglied der Berliner Schaubühne am Lehniner Platz. Auch spricht und spielt sie regelmäßig in Hörspielen und Filmen.

Julia Riedler ist seit der Spielzeit 2015/16 festes Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele. Außerdem wirkte sie bereits in vielen Film- und Fernsehproduktionen sowie regelmäßig als Sprecherin in Hörspielen mit.

Julischka Eichel gehörte bis zur Spielzeit 2017/18 zum Schauspiel-Ensemble des Schauspiels Stuttgart. Neben ihrer Theaterarbeit für zahlreiche deutsche Bühnen spielt sie regelmäßig in Kino- und Fernsehproduktionen.

Musik: Frank Witzel

Regie: Leonhard Koppelmann

hr 2019

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Frank Witzel, Jahrgang 1955, arbeitet nach einer musikalischen Ausbildung als Autor, Essayist, Zeichner und Musiker. Für "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch depressiven Teenager im Sommer 1969" erhielt er den Robert-Gernhardt-Preis 2012 sowie den Deutschen Buchpreis 2015. Für die Hörspielfassung wurde er zusammen mit Regisseur Leonhard Koppelmann mit dem Deutschen Hörbuchpreis 2017 ausgezeichnet. Zuletzt realisierte Witzel für den hr "Entwicklung einer Theorie".

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Sendung: hr2-kultur, Hörspiel, 14.07.2019, 14:04 Uhr

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