Der fast achtzigjährige André lebt allein in seiner Pariser Wohnung. Langsam, fast unmerklich, verändert sich etwas, sowohl für ihn als auch für seine Umgebung. Wo war doch gleich die Armbanduhr? Kein Anlass zur Sorge, eine Bagatelle, nichts weiter.

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Vollkommen unverständlich für André also, warum seine Tochter Anne ihm unbedingt eine Pflegerin aufschwatzen will. Noch hat er schließlich ein Gedächtnis wie ein Elefant und kommt fabelhaft allein zurecht. Wenn er wirklich in Schwierigkeiten wäre, dann wäre er doch der erste, der einsichtig um Hilfe bitten würde.

Verwunderlich auch, warum Anne ihm berichtet, dass sie in das ewig verregnete London umziehen will. Schließlich besucht sie ihn in letzter Zeit aus eigenem Antrieb immer häufiger. Wenn dort, in London, ihre große Liebe wohnt und arbeitet, wer ist dann der Mann, der immer mal wieder in seiner Wohnung auftaucht? Und warum wird das Mobiliar in seinen eigenen vier Wänden ausgetauscht, ohne dass man zuvor mit ihm spricht?

Florian Zeller erzählt den Verlauf einer fortschreitenden Alzheimer-Erkrankung radikal und fast ausschließlich aus der Perspektive des Betroffenen. Die situative Komik des Versteckens und Vermeidens mischt sich mit der Dämmerung der Unmündigkeit und des Verlöschens. Zeller gelingt ein intelligenter Slapstick, indem er die Figuren verdoppelt; André selbst kann nicht mehr mit Gewissheit von sich behaupten, wer er im nächsten Moment sein wird: Vater, Pflegefall oder nur ein bedauernswerter, kindischer alter Mann.

Mit Peter Fricke als André u. a.

Aus dem Französischen von Annette & Paul Bäcker

Musik: Jakob Diehl

Regie: Ulrich Lampen

hr 2019

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Florian Zeller

1979 in Paris geboren, schrieb bereits mit 22 Jahren seinen ersten Roman und hat bisher über ein Dutzend Theaterstücke vorgelegt. Er gilt neben Yasmina Reza als wichtigster Autor der französischen Gegenwartsdramatik und ist der weltweit meistgespielte französische Theaterautor. Allein sein Stück "Vater" erhielt mehrere internationale Preise, darunter den Molière (2012), den Drama League Award (2016), Manchester Theatre Award (2018) sowie den Hong Kong Drama Award (2018). Nach eigener Aussage ist er stark von Harold Pinter beeinflusst, von dem er gelernt habe, was er schreiben muss und was ungesagt bleiben kann, damit die Zuschauer, Zuhörer oder Leser sich in dem Nichtgesagten aktiv bewegen können.

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Sendung: hr2-kultur, Hörspiel, 25.08.2019, 14:04 Uhr

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