Herbst 1948. In der großen Lichthalle des Zoologischen Museums in Bonn versammeln sich 66 Männer und vier Frauen: Die Mitglieder des Parlamentarischen Rates. Ihre Aufgabe: das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland ausarbeiten.

Ihre Arbeit, ihre Diskussionen und Überlegungen sind überliefert in 14 Protokollbänden. Wortgetreue Transkriptionen der Beratungsgespräche und des Ringens um einzelne Worte im Bewusstsein ihrer historischen Bedeutung. Spannend wie ein Krimi. Ergreifend in der schnörkellosen Ernsthaftigkeit, im unerschütterlichen Willen, sich beim Neuanfang keine Fehler zu erlauben.

Grundgesetz Parlamentarischer Rat Konrad Adenauer
Die erste Sitzung des Parlamentarischen Rats, vorne rechts Konrad Adenauer. Bild © Imago Images

Der dokumentarisch-erzählerische Hörspiel-Mehrteiler basiert auf diesen minutiösen Mitschriften einer langen, gewissenhaften Arbeitsphase. Sie bezeugen das Verantwortungsbewusstsein, die Genauigkeit, Geduld und Umsicht der Demokraten: Beamte und Juristen, die in den Trümmern des 2. Weltkriegs versuchten, mit ihrer Verfassung den Horror für alle Zeiten auszuschließen, aus dem die Welt gerade auftauchte.

Es ging nicht um Parolen, um Mehrheiten oder vorauseilende Zugeständnisse. Es ging darum, mit allem – auch grauenvollen – Wissen der Welt und speziell der letzten Jahrzehnte ein gesellschaftliches Regelwerk aufzusetzen, das zivilisatorische Entwicklungen und Errungenschaften festhält und Barbarei schon im Ansatz verhindert. Es ging um die Verfassung eines Staates, der nur dann Daseinsberechtigung hätte, wenn von seinem Boden und seinen Mitgliedern nie wieder Ausgrenzung, Rassismus, Volksverhetzung und Ungleichheit ausgingen.

Grundgesetz Parlamentarischer Rat
Unter einer schwarz-rot-goldenen Standarte liegt am 23. Mai 1949 das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland auf einem Tisch im Sitzungssaal des Parlamentarischen Rates in Bonn. Bild © picture-alliance/dpa

Es ging um das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Es ging um die Demokratie. Wert, daran zu erinnern. Die Hörspielserie erzählt, wie hart die Arbeit an Einigkeit und Recht und Freiheit ist, dass Demokratie kein Geschenk und kein Zustand ist – und dass der Einsatz dafür dennoch so unerlässlich wie erfüllend ist.

Als Bindeglied und Leitplanke winden sich literarisch-künstlerische Texte heutiger SchriftstellerInnen um die Debatten und Diskussionen. Sie verorten die jeweiligen Themen auch in der Gegenwart und identifizieren sich mit einem der Diskutanten. So erfahren wir mehr über die einzelnen Biografien, die hinter den Beratern lagen. Wir bekommen aber auch sinnliche Eindrücke von der Situation und Umgebung – und in jeder Folge die individuelle Perspektive einer Autoren-Persönlichkeit auf einen historischen Moment, der unsere Gesellschaft bis heute definiert.

Mit Texten von Terézia Mora, Özlem Dündar, Georg M. Oswald, Frank Witzel

Bearbeitung: Philip Stegers und Benjamin Quabeck

Historische Beratung: Michael M. Feldkamp

Regieassistenz und Technische Realisierung: nnb

Regie: Annette Kurth, Petra Feldhoff, Claudia Leist, Benjamin Quabeck, Thomas Leutzbach

Dramaturgie: Hannah Georgi und Martina Müller-Wallraf

Produktion: WDR/DLF/BR 2019

Mit Artus-Maria Matthiessen, Bernhard Schütz, Martina Gedeck, Hans-Gerd Kilbinger u. a.

Die Hörspielreihe steht ab 2. Mai in zwei Staffeln in der ARD-Audiothek zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Teil 3 & 4 senden wir morgen, am 23.05.2019 ab 20:04 Uhr - hier in hr2-kultur.

Sendung: hr2-kultur, Sondersendung Hörspiel, 22.05.2019, 21:00 Uhr

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