Stolz und Spott waren schon immer Zündstoff für eine gute Geschichte. Wie sich durch Missverständnisse neue Gemeinsamkeiten entdecken lassen, erzählt Wolfgang Borcherts ungewöhnlich komische Kurzgeschichte "Schischyphusch". Es liest Horst H. Vollmer.

"Schischyphusch" erschien zuerst 1947 in der Jugendzeitschrift "Benjamin".  In der Erzählung geht es um Verständnis – im wahrsten Sinne des Wortes. Ein kleiner Junge berichtet von einem Erlebnis mit seinem Onkel. Der stolze Mann wurde im Krieg verwundet und lispelt seither. Denselben Sprachfehler hat auch der Kellner der Gaststätte, in dem sich die Geschichte ereignet. Abgesehen von dieser Gemeinsamkeit sind Kellner und Onkel jedoch sehr verschieden. Als der Onkel die Bestellung aufgibt, glauben beide deshalb, der jeweils andere mache sich über ihn lustig.

 Wolfgang Borchert schrieb sonst eher selten heitere Texte. Bekannt wurde er vor allem als Vertreter der Trümmerliteratur. Die Kurzgeschichte "Schischyphusch" schrieb er allerdings für seine Mutter, die immerzu versuchte, ihm die Schwermut seiner Prosa auszureden. Die Geschichte enthält außerdem einen autobiografischen Aspekt, da der Bruder von Borcherts Mutter nach dem Krieg tatsächlich einen Sprachfehler davontrug.

hr 1977

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