Bettine von Arnim
Bettine von Arnim Bild © Freies Deutsches Hochstift/Frankfurter Goethe-Museum

Im Januar 1839 ist Bettine von Arnim eine Berühmtheit. Ein paar Jahre zuvor hat sie ihr erstes Buch, "Goethe's Briefwechsel mit einem Kinde", veröffentlicht und damit zahlreiche begeisterte, junge Männer inspiriert. Sie sehen nun in ihr das große Vorbild und versuchen, mit der über 50-jährigen Autorin in Kontakt zu treten. Einer von ihnen ist der 21-jährige Student Julius Döring. Er wird Bettines letzte Liebe. Die Veröffentlichung des bisher unbekannten Briefbuchs in der "Anderen Bibliothek" ist eine kleine Sensation. Für hr2-kultur schlüpfen Krista Posch und Jens Wawrczeck in die Rollen der Liebenden.

Sechs große Werke, allesamt Brief- und Gesprächsbücher, hat Bettine von Arnim zu Lebzeiten publiziert. Ein weiteres, der Briefwechsel mit ihrer "Letzten Liebe", blieb ungedruckt. Über ihren Nachlass gerieten die sorgfältig aufbewahrten Briefe ins Freie Deutsche Hochstift nach Frankfurt am Main. Hier hat Wolfgang Bunzel sie für die "Andere Bibliothek" ediert und jetzt erstmals vollständig und ungekürzt publiziert.

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13.06.-28.06.2019 (11 Folgen)
Montag-Freitag 9:30 Uhr im "Kulturfrühstück",
Wiederholung 15 Uhr in der "Klassikzeit".
Vom 13.-30. Juni können Sie alle Folgen hier auch online hören.

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Die "Grande Dame" der Romantik tritt uns in den Briefen ganz anders als in ihren übrigen Werken entgegen: nicht mehr als originelles "Naturkind", sondern als eine sensible und zugleich sehr starke Frau, die stets die Fäden der Beziehung in der Hand behält. Der Jura-Student Julius Döring, 1817 in Wolmirstedt bei Magdeburg zur Welt gekommen und damit 32 Jahre jünger als Bettine von Arnim, schreibt erstmals im Januar 1839 an die "Gnädige Frau". Er hat mit seinem Werben Erfolg und wird in ihre Berliner Wohnung vorgelassen. Dann geschieht das Bemerkenswerte: Julius Döring verliebt sich in die weit über 50-Jährige – und Bettine von Arnim erwidert die Zuneigung. Rund zwei Jahre hält die Beziehung, in der beide nur ein einziges Mal auf einer gemeinsamen Reise für längere Zeit zusammentreffen. Von Anfang an gibt es Spannungen in diesem Verhältnis: Bettine von Arnim weist ihren Freund mehrmals scharf zurecht, unter anderem nach einer antisemitischen Entgleisung. Außerdem versucht sie, seinen beruflichen Werdegang zu beeinflussen und will Julius Döring zu ihrem literarischen Mitarbeiter machen. Er selbst wiederum ist von Eifersucht geplagt, weil die von ihm Verehrte auch mit anderen jungen Männern Umgang pflegt.

Bettine von Arnim: Letzte Liebe
Die Andere Bibliothek, mit Anmerkungen und einem Nachwort von Wolfgang Bunzel, 576 Seiten, 42 Euro Bild © Die Andere Bibliothek

Krista Posch und Jens Wawrczeck lesen diesen spannungsreichen und subtil erotischen Briefwechsel: Beide Schauspieler sind Meister ihres Fachs und führen die Zuhörer gekonnt durch die Höhen und Tiefen dieser ungleichen Beziehung. In hr2-kultur senden wir eine gekürzte Auswahl des Briefwechsels in 11 Folgen (Produktion hr2-kultur 2019, Regie: Marlene Breuer).

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Kurzporträts

Bettine von Arnim ist 1785 in Frankfurt geboren, 1859 in Berlin gestorben, war eine der zentralen Figuren der deutschen Romantik. Die Schwester von Clemens Brentano war mit vielen Größen ihrer Zeit gut befreundet, unter anderem mit den Brüdern Grimm. In ihrer Ehe mit Achim von Arnim und als Mutter von sieben Kindern lebte sie in Berlin und Wiepersdorf. Nach dem Tod ihres Mannes veröffentlichte sie mehrere, sehr erfolgreiche Bücher und zeigte enormes soziales Engagement, unter anderem während der Choleraepidemie in Berlin. Als Sympathisantin revolutionärer Bewegungen wurden einige ihrer Bücher von der preußischen Zensur verboten.

Wolfgang Bunzel ist Leiter der Abteilung Romantik-Forschung am Freien Deutschen Hochstift im Frankfurter Goethehaus. Er lehrt als Professor an der Goethe-Universität Frankfurt und ist unter anderem Herausgeber der historisch-kritischen Brentano-Gesamtausgabe und der Briefe Bettine von Arnims.

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